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Kommentar: Sollten Kinder ab drei Monaten Schwimmen lernen?

Baby taucht im Pool, Wassersport für die Entwicklung des Kindes, Ukraine, Europa

Kommentar: Sollten Kinder ab drei Monaten Schwimmen lernen?

Von Stephan Karkowsky

Nach dem tragischen Tod eines syrischen Zweijährigen in einem Schwimmbad in Gelsenkirchen wird über Babyschwimmkurse diskutiert. Eine Kölner Sportwissenschaftlerin empfiehlt diese bereits ab dem Alter von drei Monaten. Generell sind Schwimmbäder für Kinder aber weniger gefährlich, als offene Badestellen ohne Aufsicht, sagt die Statistik. Aufpassen hilft meist mehr, als ein Babyschwimmkurs.

Kommentar: Sollten Kinder ab 3 Monaten Schwimmen lernen?

WDR 4 Zur Sache 16.07.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 15.07.2020 WDR 4

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Es gibt viele Gründe, sich über das etwas kühlere Sommerwetter dieser Tage zu freuen. Der Kreislauf wird weniger belastet, das Schlafen fällt leichter, der Garten braucht weniger Wasser. Aber vor allem gibt es weniger Badetote. Deren Zahl steigt mit den Temperaturen. Im Rekordsommer 2018 gab es leider auch eine Rekordzahl an Ertrunkenen.

504 Menschen fanden im Wasser in ganz Deutschland den Tod. Die meisten in Flüssen, Bächen und Seen. 18 Prozent der Badetoten sind Frauen. Vor allem Männer über 55 ertrinken. Aber auch 33 junge Flüchtlinge, allesamt Nicht-Schwimmer. Am meisten erschüttern uns die allerjüngsten Toten: Elf Kinder im Grundschul- und 15 im Vorschulalter.

Wenn nun eine Sportwissenschaftlerin fordert: Kinder sollten bereits ab drei Monaten ins Wasser, wird das an den Unfallzahlen nichts ändern. Denn schwimmen lernen können Kinder ohnehin erst ab dem 5. Lebensjahr. Vorher seien sie dazu motorisch gar nicht in der Lage, sagt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG. Das Hundepaddeln der Kleinsten ist keine Lebensversicherung.

Man darf davon ausgehen, dass die meisten Ertrunkenen schwimmen konnten und zudem keine Kinder mehr waren. Ihnen wurden Leichtsinn, eine zu hohe Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung zum Verhängnis, und nicht das fehlende Freischwimmerabzeichen.

Bei ertrunkenen Kleinkindern sind immer die Aufsichtspersonen verantwortlich. Wer seine Kleinen unbeaufsichtigt am Ufer spielen lässt und seine Aufmerksamkeit beispielsweise lieber dem Handybildschirm widmet, gefährdet das Leben seiner Kinder. Sicher gibt es auch tragische Einzelfälle, in denen die Erwachsenen nicht die Schuld trifft, aber sie dürften die Ausnahme sein.

Wenn also ab morgen die Temperaturen wieder steigen, hilft nur eins: Wir müssen Wasser, egal wie niedrig, als Gefahr begreifen und Kinder beim Planschen niemals aus den Augen lassen. Wer das nicht kann oder möchte, hält seine Kinder am besten davon fern, bis sie selbst zu sicheren Schwimmern geworden sind.

Stand: 16.07.2019, 12:30