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Kommentar: Kimmich und die Schadenfreude

Joshua Kimmich

Kommentar: Kimmich und die Schadenfreude

Von Jörg Brunsmann

Sie haben es bestimmt auch schon gehört: Fußballer Joshua Kimmich, der für den FC Bayern München und in der Nationalmannschaft spielt, ist an Covid-19 erkrankt. Ein Test sei positiv ausgefallen, Kimmich gehe es aber gut – sagt sein Verein. Viele können sich ein bisschen Schadenfreude trotzdem nicht verkneifen, denn Kimmich wollte keinen von den jetzt verfügbaren Impfstoffen haben, sondern auf einen so genannten "Totimpfstoff" warten. Auch meinem Kollegen Jörg Brunsmann ging es so – mittlerweile aber schämt er sich eher für den Gedanken...

Kommentar: Kimmich und die Schadenfreude

WDR 4 Zur Sache 25.11.2021 01:50 Min. Verfügbar bis 25.11.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Ich hab mich selbst ja auch erwischt. Ein Moment, in dem ich gedacht habe: "Das hat er jetzt davon". Und ich glaube, vielen Menschen in Deutschland ging es gestern Abend auch so. Manche Nachrichtenredaktionen haben die Meldung, Joshua Kimmich sei an Covid-19 erkrankt, sogar als Eilmeldung verkündet. Was eigentlich nur sinnvoll ist, wenn man schon die Vorgeschichte kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen hat.

Da ist also jemand, der Bedenken gegen die aktuellen Impfstoffe hat und lieber warten möchte. Der aber anscheinend auch nicht ganz alleine irgendwo sitzt und sich isoliert, sondern weiter arbeitet und offenbar auch am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Es war immerhin schon das zweite Mal, dass Kimmich in Quarantäne musste, weil er Kontakt zu Infizierten hatte. Das mit der Schadenfreude – "das hat er jetzt davon" – liegt da auf der Hand. Bringt uns zwar keinen Schritt weiter – und greift doch immer mehr um sich. Auch unter Impfgegnern. Die dann zum Beispiel in Sozialen Medien Meldungen über bekannte Menschen posten, die trotz doppelter Impfung Corona-positiv getestet wurden. Motto: "Seht ihr, eure blöde Impfung bringt doch gar nichts". Was genauso Quatsch ist und nur dafür sorgt, dass wir mehr und heftiger miteinander streiten.

Schlechte Laune haben wir schon genug. Ein klarer Kopf mit dem Blick auf die Tatsachen bringt uns da weiter. Mehr als 100.000 Menschen sind seit Beginn der Pandemie in Deutschland an oder mit Corona gestorben. 100.000 Menschen, von denen viele noch leben könnten, die aber mit Sicherheit am Ende ihres Lebens eine schwere Zeit gehabt haben, die man niemandem wünscht. Nein, natürlich auch Joshua Kimmich nicht. Ich wünsche ihm, dass er ohne Symptome bleibt und bald wieder ein ganz normales Leben führen kann. Das, was wir alle uns eigentlich wünschen. Und was leichter und auch schneller geht, wenn wir an einem Strang ziehen und sich möglichst viele impfen lassen, aus Solidarität – statt uns gegenseitig mit Vorwürfen oder Schadenfreude zu überhäufen.

Stand: 25.11.2021, 13:10