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Kommentar: Kein Wahlkampf im Katastrophenfall

Armin Laschet

Kommentar: Kein Wahlkampf im Katastrophenfall

Von Katja Schwiglewski

NRW-Ministerpräsident Laschet kommt nach Hagen und Altena, Vizekanzler Scholz besucht Bad Neuenahr in Rheinland-Pfalz, beide sind Kanzlerkandidaten ihrer Parteien. Wenn sich Politiker im Katastrophenfall selbst ein Bild der Lage machen, stehen sie unter besonderer Beobachtung. Zeigen sie ehrliches Mitgefühl? Wirken sie politisch glaubwürdig? Wenige Monate vor der Bundestagswahl kommt schnell der Verdacht auf, es gehe nur um die besten Bilder und Statements.

Kommentar: Kein Wahlkampf im Katastrophenfall

WDR 4 Zur Sache 16.07.2021 01:32 Min. Verfügbar bis 16.07.2022 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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Wie man’s macht, macht man’s falsch. Lassen sich die hohen Damen und Herren aus der Politik im Krisenfall nicht blicken, wird ihnen Ignoranz und Kaltherzigkeit vorgeworfen. Tauchen sie auf, heißt es, der oder die will sich doch nur profilieren. Guck mal, der Laschet und der Scholz in Gummistiefeln, wie unglaubwürdig! Verkleidet für die Stippvisite im Katastrophengebiet. Aber wie würden die Kommentare wohl ausfallen, wenn sich Ministerpräsident und Vizekanzler im feinen Zwirn auf Zehenspitzen durch den Dreck bewegen?

Ein ehemaliger Kanzler namens Schröder, der sündhaft teure Anzüge liebte, hat sich mal in die Nesseln gesetzt, als er beim großen Oderhochwasser seine Gummistiefel-Auftritte allzu selbstgefällig inszenierte. In diese Falle wollte Armin Laschet nicht tappen, deshalb keine Kamerateams bei seinem Outdoor-Gang durch das überflutete Hagen. Die Staatskanzlei hat dann doch ein paar Bilder getwittert, prompt kam Kritik. Aber im Ernst: Verschafft man sich so Vorteile im Bundestagswahlkampf? So einfach gestrickt ist der Wähler bestimmt nicht.

Worauf es ankommt, ist schnelle Hilfe für alle, die in Not sind. Da ist der Gemeinschaftssinn von Nachbarn und Freunden wichtig, aber natürlich ist da auch die Politik gefragt. In einer solchen Jahrhundertkatastrophe brauchen wir ein reibungsloses Miteinander von Bund, Ländern und Kommunen. Wer da welches Parteibuch hat, ist absolut unwichtig. Wahlkampf auf dem Rücken von verzweifelten Menschen zu machen, wäre das Letzte. Ich hoffe, das haben die Verantwortlichen verstanden.

Stand: 16.07.2021, 13:10