Kommentar: Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Hand hält eine Kette mit Kreuzanhänger

Kommentar: Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Von Katja Schwigkewski

Auf Einladung von Papst Franziskus treffen sich hochrangige Kirchenvertreter aus aller Welt im Vatikan, um über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu beraten. Die katholischen Gläubigen erwarten mehr als Lippenbekenntnisse, hat der Papst zum Auftakt gesagt, sie erwarten konkrete Maßnahmen. Wie groß der Vertrauensverlust an der Basis ist, zeigt eine Aktion aus Münster: Dort haben engagierte Katholikinnen unter dem Motto "Maria 2.0" einen Kirchenstreik angekündigt.

Kommentar: Ist die katholische Kirche noch zu retten?

WDR 4 Zur Sache 21.02.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 21.02.2020 WDR 4

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Wenn ich an die Versammlung dieser älteren Herren im Vatikan denke, alles hohe katholische Würdenträger, dann merke ich, wie ein gewisser Groll in mir aufsteigt.

Das sind die, die eine Kirche vertreten, in der Frauen keine Priester werden dürfen, Wiederverheiratete von der Kommunion ausgeschlossen sind und über das Thema Missbrauch viel zu lange der Mantel des Schweigens gelegt wurde.

Die Scheinheiligkeit könnte einen rasend machen. Da werden Kinderschänder diskret aus der Schusslinie genommen, während Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie sich scheiden lassen und es wagen, ein zweites Mal zu heiraten.

Dass das nicht rechtens ist, hat das Bundesarbeitsgericht gestern entschieden, nach einer zehnjährigen juristischen Auseinandersetzung.

Die katholische Kirche muss sich verändern. Sie muss die Menschen wahrnehmen und von alten Dogmen lassen, wenn sie eine Zukunft haben will.

Aber warum rege ich mich überhaupt auf? Ich bin nicht katholisch. Eigentlich berührt mich das alles nur am Rande. Vermutlich denken viele Menschen ähnlich. Immer mehr wenden sich von der Kirche ab. Die Mitgliederzahlen sinken, Gemeinden müssen zusammengelegt werden, und es stellt sich die Frage, wie leerstehende Kirchengebäude umgewidmet werden können.

Dazu ist gerade eine konzertierte Aktion in NRW angelaufen. Aber obwohl ich persönlich nicht betroffen bin, kann ich die katholischen Gemeindemitglieder gut verstehen, die um ihr gestörtes Vertrauensverhältnis zur Amtskirche ringen.

Ich habe großen Respekt vor den Frauen aus Münster, die mit einem Kirchenstreik von der Basis aus ein Zeichen setzen wollen. Sie planen, im Mai aus Protest alle Ehrenämter eine Woche lang ruhen zu lassen und keine Kirche zu betreten. Hoffentlich kommt diese Botschaft auch an. Gottes Bodenpersonal sollte die Menschen besser nicht weiter verprellen, denen christliche Werte wie Nächstenliebe, eine spirituelle Heimat und Sinnstiftung im Leben wichtig sind.

Stand: 21.02.2019, 13:10