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Kommentar: Die neue Bon-Verordnung

Mehrere Kassenbons

Kommentar: Die neue Bon-Verordnung

Von Katja Schwiglewski

Um Steuerbetrug an der Ladenkasse zu verhindern, tritt Anfang 2020 eine neue Verordnung in Kraft: die Kassensicherungsverordnung. Darin ist auch eine Bon-Pflicht enthalten. Danach müssen Verkäufer ihren Kunden für jeden noch so kleinen Einkauf einen Kassenzettel ausdrucken oder aber online zuschicken. Einen Beleg über 32 Cent für das Brötchen beim Bäcker – wer braucht denn sowas?

Kommentar: "Die neue "Bon-Verordnung"

WDR 4 Zur Sache 14.11.2019 01:52 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR 4

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Die Frage "Brauchen Sie einen Kassenzettel?" erübrigt sich bald, denn mit Beginn des neuen Jahres müssen Kunden einen Bon bekommen, ob sie wollen oder nicht. Natürlich kann man den ausgehändigten Kassenzettel einfach liegen lassen. Dann segelt er direkt an der Kasse in einen großen Papierkorb. Oder man lässt sich Belege papierlos auf elektronischem Wege zuschicken. Dann heißt es, den virtuellen Papierkorb per Mausklick zu füllen und zu leeren, und zwar in sehr viel größerem Maße als bisher. Als hätten wir nicht schon genug Spam in unseren E-Mail-Postfächern! Abgesehen davon: Wer will schon überall seine E-Mail-Adresse verraten?

In der Praxis wird es wohl meistens auf den gedruckten Bon hinauslaufen. Stellvertretend für andere Berufsgruppen im Einzelhandel haben sich in den letzten Tagen die Bäcker zu Wort gemeldet. Die sagen, das alles ist doch Wahnsinn. Kein Kunde will einen Kassenzettel für ein Brötchen oder einen Kaffee. Da versuchen wir, an allen Ecken und Enden Müll zu vermeiden, verbannen Tüten, Trinkhalme und vielleicht auch bald die Coffee-to-go-Becher, und dann das: jährlich hochgerechnet mehr als zwei Millionen zusätzliche Kilometer Bonlänge im deutschen Einzelhandel. Damit könnte man die Erde am Äquator glatt 50-mal umwickeln.

Über die Frage, ob eine fälschungssichere Dokumentation aller Kassenvorgänge nicht doch auf technischem Wege möglich ist, ohne dass jedes Mal ein Bon ausgedruckt werden muss, mögen die Experten entscheiden. Besser wäre das. Vielleicht lässt sich das Papier und Druckertoner verschlingende Bürokratiemonster ja noch einfangen. Aber wenn wir demnächst beim Bäcker, am Kiosk, an der Tankstelle für jeden Bagatelleinkauf einen Beleg bekommen, dann sollten wir den auch mitnehmen. Immerhin ist die Rückseite ja frei. Das gibt eine Menge Notizzettel für die nächsten Besorgungen!

Stand: 14.11.2019, 13:10