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Kommentar: Karneval – er wird auch den Muffeln fehlen

Kölner feiern den 11.11. auf der Straße.

Kommentar: Karneval – er wird auch den Muffeln fehlen

Von Irene Geuer

Die größte Karnevalsstadt in Nordrhein-Westfalen hat verkündet:
Weiberfastnacht, sowie Rosenmontag und Karnevalsdienstag sind in diesem Jahr reguläre Arbeitstage. Das heißt: Man kann also, wenn normalerweise der "Zoch" geht, auf dem Amt seinen Personalausweis verlängern lassen oder sich ein Wunschkennzeichen reservieren. Das ist ein guter Test, sagt WDR 4-Autorin Irene Geuer.

Kommentar: Karneval – er wird auch den Muffeln fehlen

WDR 4 Zur Sache 15.01.2021 01:49 Min. Verfügbar bis 15.01.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


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Jetzt ist es also so weit, all die Menschen, die weder ne kölsche Jung sind, die Stadt mit K nicht als den Nabel der Welt wahrnehmen, keinen mittrinken wollen und auch alten Leuten keine Blumen für ihr Fensterbrett schenken, all diese Menschen bekommen also 2021 genau das, was sie sich schon immer gewünscht haben: Keinen Karneval.

Was haben sie sich in den vergangenen Jahrzehnten angestrengt, um das Feiern madig zu machen. Karneval – das sei doch nichts anderes als eine Riesen-Saufveranstaltung, Tage des Fremdgehens, Hochzeit der blöden Witze. Anschließend müsse man zum Arzt, weil man mindestens erkältet sei. Stimmt alles. Deshalb sind das auch die tollen Tage, an denen die liebe Marie mit dem Piraten ein Halleluja singt oder ein Viva Colonia. Wer wünscht sich nicht, dass Schnaps das letzte Wort sein wird, bevor wir von den Engeln davongetragen werden. Kann es etwas Schöneres geben? In unserem Viertel? Wenn die kleine Trommel geht?

Ja, keinen Karneval, sagen die, die ihn schrecklich finden mit seinen urinösen Hinterlassenschaften am Dom, mit den von Kamelle und billigem Bier verklebten Straßen, ja, ja, ja, Leute, Ihr habt Recht. Und auch damit, dass es eigentlich ein bisschen albern ist, wenn die Mathelehrerin als Tigerlady oder der Verwaltungsbeamte mit wilder Perücke als Hippie durch die Stadt zieht. Klar muss das alles nicht wirklich sein. Und richtig, Ihr Karnevalsgegner, wenn wir dieses Jahr an den tollen Tagen arbeiten statt feiern, dann können wir den coronabedingten Wirtschaftsschaden zumindest etwas auffangen.

Und doch bin ich sicher, es wird auch denen etwas fehlen, die Kölsch weder sprechen noch trinken. Nämlich das Brauchtum. Sich über die Schunkelfraktion aufzuregen, hat Tradition. Karneval ist wichtig und bringt im Übrigen auch genau das, was Weihnachten so anziehend macht. Freie Tage. Ob man gläubig ist oder nicht, spielt keine Rolle, ob man ein Jeck ist oder nicht, völlig egal. Also die Hände zum Himmel, Ihr Karnevalsmuffel, ergebt Euch. Dass dieses Jahr Karneval so gut wie nicht stattfindet, solltet auch ihr bedauern. WDR 4 wird Euch dabei unterstützen.

Stand: 15.01.2021, 13:10