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Kommentar: Wenn der Kanzlerkandidat zum Lokalpolitiker schrumpft

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach einer Kabinettssitzung in Berlin am 24.08.2021

Kommentar: Wenn der Kanzlerkandidat zum Lokalpolitiker schrumpft

Von Stephan Karkowsky

Verfolgen Sie eigentlich die Auftritte der Kanzlerkandidaten im Fernsehen? Sonntagabend läuft in ARD und ZDF das zweite "Triell" zwischen Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet. Diese Woche bereits musste sich Ministerpräsident Laschet einzeln den Fragen der Zuschauer stellen in der ZDF-Reihe Klartext. WDR 4-Autor Stephan Karkowsky hat dabei viel gelernt über das Politikverständnis der Bürger:

Kommentar: Wenn der Kanzlerkandidat zum Lokalpolitiker schrumpft

WDR 4 Zur Sache 10.09.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 10.09.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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Seien wir mal ehrlich: Angela Merkel war nie eine Bürgerkanzlerin. Merkel ist für die Weltpolitik zuständig. Sie ist die schlauere Frau im Kreis einfach nur großer Männer. Merkel ist der deutsche Staat. Im Kontakt mit Bürgern dagegen wirkt sie unbeholfen und linkisch. Deplatziert, wie eine Königin im Bälleparadies. Weshalb sie den Bürgern am liebsten aus dem Weg geht. Geschadet hat ihr das nicht.

Armin Laschet dagegen lässt sich unter den Fragen der Bürger vom Kanzlerkandidaten zum Lokalpolitiker schrumpfen. Der sich gefälligst auch um die Wildpinkler vor unserer Haustür kümmern soll. Der unsere teuren Wohnungen am Düsseldorfer Rheinufer vor Lärmbelästigung saufender Pöbler schützen und am besten persönlich Spendengelder fürs Ahrtal auszahlen müsste.

Mir sind dabei zwei Dinge klar geworden. Erstens: Für den Bürger ist alles Lokalpolitik. Frei nach dem Motto "der liebe Gott sieht alles" erwarten Bürger von Spitzenpolitikern wie Laschet, dass er die Probleme vor jeder Haustür kennt und löst. Zweitens: Die Wahlkämpfer sind mitverantwortlich für diese Allmachtfantasien.

Statt einfach mal zu sagen: Beschweren Sie sich beim lokalen Ordnungsamt, oder, noch besser: Ich schau mir das nach der Sendung mal an, mein Büro wird sich bei Ihnen melden, macht auch Laschet den typischen Politikerfehler, auf jede Frage eine Antwort raushauen zu müssen.

Nur einmal kommt dabei versehentlich so etwas wie ein Merkelscher Witz heraus. Als ein Bundespolizist von einem uniformierten Kollegen berichtet, der auf dem Weg nach Hause von vier Vermummten verprügelt wurde. Wie er die Polizei besser schützen wolle? Laschets Antwort: Man könne nicht jedem Polizisten auf dem Weg zur Arbeit einen zweiten Beamten zur Seite stellen, der ihn schützt. Das ist mal ehrlich, denke ich. Warum nicht mehr davon?

Stand: 10.09.2021, 13:10