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Kommentar: Kamp Lintfort – nicht zurückweichen!

Etwa 20 Demonstranten der Partei Die Rechte protestieren gegen die Beantragung des Waffenscheins von Bürgermeister Landscheidt und fordern ein Verbot der SPD.

Kommentar: Kamp Lintfort – nicht zurückweichen!

Von Stephan Karkowsky

In der niederrheinischen Stadt Kamp-Lintfort haben am Wochenende 1000 Menschen ihre Solidarität mit dem Bürgermeister bekundet. Der wird von Rechten bedroht und hatte deshalb einen Waffenschein beantragt. Stephan Karkowsky hat dafür Verständnis:

Kommentar: Kamp Lintfort – nicht zurückweichen!

WDR 4 Zur Sache 13.01.2020 02:06 Min. Verfügbar bis 12.01.2021 WDR 4

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Ein Blick ins Lexikon genügt. Da steht: Terror ist die systematische Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Nun ist nicht jeder Schulhofrüpel deswegen gleich ein Terrorist. Aber wer mit Angstmache in Deutschland Politik macht, bedient sich klar terroristischer Methoden.

In Kamp-Lintfort gilt dies für die Partei Die Rechte und ihre Sympathisanten. Im Europawahlkampf hatte Die Rechte Plakate aufgehängt mit dem Slogan: Wir hängen nicht nur Plakate. Eine klare Drohung, wie man sie auch von Teilen der AfD kennt. Sind wir erst an der Macht, wollen die Rechten damit sagen, dann geht es allen an den Kragen, die heute gegen uns sind.

Das funktioniert in Deutschland besonders gut. Weil tief im kollektiven Gedächtnis der Deutschen die Erfahrung des Nationalsozialismus nachwirkt. Als Hitlers NSDAP ihre Gegner erst in Berufsverbote schickte, dann in die Konzentrationslager und schließlich in den Tod. Diese Erinnerung nutzt die Partei Die Rechte schamlos aus. Laut Verfassungsschutzbericht ist sie - Zitat - "ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus"!

Der sozialdemokratische Bürgermeister von Kamp-Lintfort hatte die rechten Drohplakate im Europawahlkampf abhängen lassen. Seitdem wird er selbst mit dem Tode bedroht. Doch wer Christoph Landscheidt bedroht, bedroht Kamp-Lintfort. 2014 bekam der SPD-Mann bei seiner Wiederwahl sensationelle 87 Prozent. 1000 Bürger stellten sich am Wochenende bei einer Demonstration öffentlich hinter ihren Bürgermeister.

Dass dieser aus Angst um sich und seine Familie einen Waffenschein beantragt hat, wird nun von rechts skandalisiert. Was immer auch Sie darüber denken: Lassen Sie sich nicht ablenken vom eigentlich Skandal: Nämlich, dass das Land Nordrhein-Westfalen die Anzeige wegen Volksverhetzung einstellt, zugleich aber weiter gegen Landscheidt ermittelt wegen Sachbeschädigung und Wahlfälschung.

Am 13. September sind Kommunalwahlen. Christoph Landscheidt ist zu wünschen, dass seine Kraft für eine weitere Amtszeit reicht.

Stand: 13.01.2020, 13:10