Live hören
Jetzt läuft: It's raining again von Supertramp
00.00 - 06.00 Uhr ARD Hitnacht

Kommentar: Kakao an Schulen verbieten?

Kinder trinken Schulmilch

Kommentar: Kakao an Schulen verbieten?

Von Stephan Karkowsky

Die Verbraucherorganisation Foodwatch macht Stimmung gegen den Verkauf von Kakao an Schulen. Im sogenannten Schulmilchreport kritisiert Foodwatch den hohen Zuckeranteil und eine Verflechtung von Milchproduzenten und Politik. Stephan Karkowsky sieht keinen Grund, Kakao an Schulen zu verbieten.

Kommentar: Kakao an Schulen verbieten?

WDR 4 Zur Sache | 11.10.2018 | 02:03 Min.

Download

Meine Mutter behauptet: Ich würde so gerne Kakao trinken, weil sie schon in der Schwangerschaft gern viel Kakao getrunken habe … mag sein! Bis heute gehört für mich zur Currywurst ein Fläschchen Kakao dazu. Auch wenn ich mir manchmal etwas komisch vorkomme zwischen all den Biertrinkern.

Und nun sollen Schulkinder künftig gewarnt werden davor, sogar ferngehalten werden vom Kakao – weil da Zucker drin ist? Foodwatch ist ein Verein, der auf uns aufpasst. Der Lebensmittelskandale anprangert. Der uns aufklärt über Gift in Lebensmitteln, lange vor allen Behörden. Das ist gut so.

Dass Zucker nicht gesund ist, wusste man auch schon zu meinen Schulzeiten. Aber gilt nicht auch hier, wie für alles: Die Menge macht das Gift? Kakaogetränke süffelt man nicht weg wie Wasser. Ein Viertelliter, höchstens ein halber, mehr passt gar nicht rein. Was bringt es, den zu verbieten: Wenn die Kinder am Nachmittag zuhause literweise süße Brause in sich reinschütten?

Auch der Ton passt mir gar nicht. Foodwatch spricht nämlich nicht von Kakao, das klingt viel zu lecker. Stattdessen spricht man von "Milchprodukten mit zugesetztem Zucker" und von einem, Zitat: "lobbyverseuchten Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft …"

Das ist genau jene grüne Bevormundungsrhetorik, die keiner mehr hören kann. Dabei ist Kakao doch der einzige Garant dafür, dass an Schulen überhaupt gesunde Milch getrunken wird. Ohne Kakao dürften die nächsten Generationen völlig ohne Milch aufwachsen.

Ach ja – ich vergaß: Wer sich eine vegane Zukunft wünscht, dem ist das sicher recht. Aber dient es wirklich der Gesundheit unserer Kinder?

Am Wochenende beginnen die Herbstferien. Bis dahin hat die in diesen Dingen sehr erfahrene NRW-Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser eine Überprüfung des Schulmilchprogramms versprochen. Jetzt wird die Zeit knapp. Sicher wird Foodwatch ihr vorwerfen, als Landwirtschaftsministerin eher die Interessen der Milchbetriebe zu vertreten. Hoffentlich lässt sie sich davon nicht beirren. Mehr Aufklärung ist sinnvoll, neue Verbote aber braucht keiner.

Stand: 11.10.2018, 13:10