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Kommentar: Tauschen wir doch mal den Job

Der Intendant der Oper, Berthold Schneider (li.), und der Präsident des Wuppertal-Instituts, Uwe Schneidewind (re.), tauschen ihre Arbeitsplätze

Kommentar: Tauschen wir doch mal den Job

Von Ferdinand Quante

Ein ungewöhnliches Experiment in Wuppertal: Der Intendant der Oper und der Leiter des örtlichen Instituts für Klima, Umwelt, Energie tauschen den Job. Drei Wochen lang sitzt der eine im Chefsessel des anderen. Was dabei herauskommt? Das möchten die beiden selbst gerne wissen. Und wir natürlich auch.

Kommentar: Tauschen wir doch mal den Job

WDR 4 Zur Sache 01.03.2019 02:05 Min. WDR 4

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Vielleicht klagen die Wuppertaler Sängerinnen und Sänger morgen schon über seltsame Erscheinungen in ihrer Opernwelt. Ja, doch, wenn der Chef eines Instituts für Klima, Umwelt und Energie das Sagen hat, könnten ab sofort Solarzellen und Windkrafträder das Bühnenbild beherrschen, und was der Opernchef im Umweltinstitut veranstaltet? Dass Mitarbeiter den neusten Klimaforschungsbericht nach Noten von Mozart öffentlich singen müssen – denkbar, aber unwahrscheinlich.

Wenn ich’s richtig verstanden habe, geht es bei diesem Jobtauschexperiment ja nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen. Die beiden Männer wollen neue Erfahrungen sammeln, Impulse bekommen für die eigene Arbeit, so hat es der Chef des Wuppertaler Instituts gesagt. Konkret erhofft er sich vom Ausflug in die Oper ein bisschen Nachhilfe in Sachen Gestaltung, um das Thema Nachhaltigkeit künftig besser vermitteln zu können. Um Formen, um Ästhetik geht es ihm, da dürfte die Oper tatsächlich eine gute Schule sein.

Und was der Operintendant im Institut für Klima, Umwelt und Energie lernen kann? Arbeiten nach wissenschaftlichen Prinzipien womöglich, oder auch etwas über sich selbst. Es kann ja sein, dass sein Führungsstil in der neuen Position überhaupt nicht funktioniert, und dann im Scheitern zu erkennen, nach welchen Mustern man agiert, und diese Muster in Frage zu stellen, dürfte doch sehr hilfreich sein. Und für die Oper am Ende gut. Der Chef von heute geht ja gerne wochenlang ins Kloster, um sich in tiefer Abgeschiedenheit auf sich selbst zu besinnen. Vielleicht ist Jobtausch nach Wuppertaler Art die bessere Methode, die man ja auch anderswo erproben könnte.

Wie wäre es denn, wenn, sagen wir, der Boss von Siemens den Job eines seiner Azubis übernehmen würde, oder ein Chefarzt legte sich als Patient in ein Bett seiner eigenen Klinik, oder unser Verkehrsminister würde drei Wochen lang als Pendler täglich im Stau stehen. Könnte nicht auch das recht hilfreich sein?

Stand: 01.03.2019, 13:10