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Kommentar: James Bond soll männlich bleiben

Bond-Produzentin Barbara Broccoli

Kommentar: James Bond soll männlich bleiben

Von Ferdinand Quante

Der nächste James-Bond-Film kommt erst im April in die Kinos, aber der übernächste wird schon heftig diskutiert und dabei wird an den Grundfesten der Bond-Welt gerüttelt. Denn es tauchte die Frage auf, ob James Bond nicht weiblich werden könnte. Ein Name machte sogar die Runde: Lashana Lynch, eine schwarze britische Schauspielerin, könnte doch als Geheimagentin 007 die Welt retten. Wir wissen jetzt, dass das nicht passieren wird. Von oberster Stelle kam nämlich nun die Klarstellung: James Bond bleibt männlich. Nur warum?

Kommentar: James Bond soll männlich bleiben

WDR 4 Zur Sache 17.01.2020 01:51 Min. Verfügbar bis 16.01.2021 WDR 4 Von Ferdinand Quante

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Eine Frau als Bond? Ja, warum nicht? Weil Bond nun mal als männliche Figur erfunden wurde? Einmal Mann, immer Mann. Ja, ich weiß, dass alles andere für manche unvorstellbar ist. Fast so, als sollte Jesus weiblich werden.

Aber die Welt ginge natürlich auch nicht gerade unter, würde, sagen wir, Angelina Jolie demnächst als Miss Bond auf der Leinwand erscheinen. Es gäbe bloß jede Menge Rabbatz, und der Umsatz an der Kinokasse dürfte wohl eher dürftig sein.

Und eben deshalb hat Barbara Broccoli ja auch gesagt: "Bond kann jede Hautfarbe haben, aber er ist männlich." Als Produzentin der Bond-Filme hat sie nun mal kein Interesse daran, dass ihr die Zuschauer wegbleiben, weil sie eine Frau in der Titelrolle nicht akzeptieren können.

Vielleicht liegt’s ja an zwei Grundgedanken. Der Grundgedanke eines James-Bond-Films ist: Jemand muss die Welt retten. Und der Grundgedanke, den viele Bond-Fans haben, ist: Das kann nur ein richtiger Mann tun. Einer mit Eiern.

Ich hab' nichts gegen einen Daniel Craig, nichts gegen einen männlichen Bond. So ein stählerner, unbezwingbarer Kerl kann sehr unterhaltsam sein, wobei Bond ja auch nicht immer nur der Harte war. Sean Connery gab den ironischen Bond, Roger Moore war äußerst smart.

So festzementiert ist die Bond-Figur also gar nicht. Und wenn sie hart, smart und ironisch sein kann, warum dann nicht auch weiblich?

Vielleicht sind wir noch zu sehr in alten Mustern gefangen, um eine Miss Bond ohne zu zucken hinzunehmen. Apropos Muster. War damals nach Adenauer, Erhardt, Kiesinger und vier weiteren Männern das Muster nicht festgelegt? Sieben männliche Bundeskanzler.

Und dann kam eine Frau. Es geht doch.

Stand: 17.01.2020, 13:10