Kommentar: Corona verändert die Innenstädte

Veränderung Innenstädte Corona

Kommentar: Corona verändert die Innenstädte

Von Irene Geuer

Schon wieder ein Modehaus, das Insolvenz anmeldet. Die Pleiten nehmen zu. Nach Esprit, Galeria Karstadt Kaufhof, Sinn oder Appelrath Cüppers jetzt auch die Traditionsmodekette Adler. Und der Handelsverband Textil befürchtet, dass das nicht der letzte Name sein wird. Abseits dieser Branche sieht es auch nicht viel besser aus, sagt Irene Geuer und legt schon mal Geld und Wünsche beiseite.

Kommentar: Veränderung Innenstädte Corona

WDR 4 Zur Sache 13.01.2021 01:56 Min. Verfügbar bis 13.01.2022 WDR 4


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Wenn die Coronapandemie einigermaßen überwunden ist und wir die Einkaufsstraßen wieder bevölkern können, dann werden die anders aussehen. Viele Läden werden geschlossen bleiben. Und nicht nur die, die bereits vor der Pandemie in schwieriger Finanzlage waren und jetzt sozusagen den Todesstoß bekommen haben.

Mein Taschenladen hat auch geschlossen, was mich sehr betrübt. Da wurde ich immer freundlich beraten und das Ladenlokal war auch so aufgebaut, dass man einen guten Überblick hatte. Aber die Besitzer haben sich verabschiedet, weil: Jetzt hätten sie noch ein gutes Finanzpolster, das für den Lebensabend reicht, wer wisse schon, was in einem halben Jahr ist. Ähnlich ist es bei einem sehr geschätzten Schreibwarenladen. Was die Schule meiner Tochter auch immer für den Unterricht anforderte, Jaxonkreide oder Notenheft, die hatten immer alles. Die Besitzerin, über 60, hätte gerne weitergemacht. Aber sie sagte: "Wenn ich aufhöre, dann selbstbestimmt und nicht dann, wenn in den Büchern nur noch rote Zahlen stehen."

Diese unsicheren Zeiten. Man kann es keinem verdenken, dass er versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Und man kann auch bei den Modehäusern verstehen, dass irgendwann die Reißleine gezogen wird. Es ging ihnen ja schon vor der Pandemie nicht gut und sie hatten auf das Weihnachtsgeschäft gehofft. Und da standen wir ja eigentlich auch schon in den Startlöchern, mal wieder richtig shoppen zu gehen. Aber der Lockdown light hatte nicht funktioniert, die Infektionszahlen blieben hoch. Und so sind auch die vielen Geldgeschenke von Weihnachten noch nicht bei den Händlern angekommen.

Haltet durch, mag man ihnen zurufen. Aber dabei kommt es auch auf die Banken und die Vermieter an. Auf Mäßigung und auch auf Zuversicht. Denn ich bin mir sicher, da gibt es viel Nachholbedarf bei uns, wenn wir wieder shoppen können. Viele meiner Bekannten träumen davon, mit was sie sich so alles belohnen werden, wenn diese Zeit vorbei ist. Das Geld ist bei vielen da und will ausgegeben werden. Man darf nur jetzt nicht schwach werden und noch mehr im Internet bestellen. Also, aufsparen für die Zeiten nach dem Lockdown. Die Vorfreude soll wachsen, vielleicht dann auch auf neue Händler, die das Abenteuer eingehen, ein Geschäft in der Innenstadt zu eröffnen.

Stand: 13.01.2021, 13:10