Live hören
Jetzt läuft: The look of love von Dusty Springfield

Kommentar: Impfen - Nehmt mich!

Schild mit Aufschrift "Zur Anmeldung für die Covid-19 Impfung" im Universitätsklinikum Essen

Kommentar: Impfen - Nehmt mich!

Von Irene Geuer

Wer sich beim Impfen gegen Corona vordrängelt, soll Strafe zahlen. Diesen Vorschlag hat die SPD gemacht, die GroKo soll das so beschließen. Und dabei geht es nicht um ein Bußgeld wie beim Falschparken, sondern um 25.000 Euro. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Wochen bekannt wurde, dass sich Menschen haben impfen lassen, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe waren. Wie passt das aber zu der Tatsache, dass tausende Impfstoffe derzeit ungenutzt auf Halde liegen. WDR 4-Autorin Irene Geuer sagt: Das muss anders organisiert werden.

Kommentar: Impfen – Nehmt mich!

WDR 4 Zur Sache 25.02.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


Download

Wow, was würden wir tun, habe ich mit einer Freundin am Telefon rumgesponnen, wenn uns jemand sagt: Kommt, wir haben Impfstoff übrig. Dafür würde ich sogar mitten in der Nacht aufstehen, erklärt meine Freundin. Und ich glaube, mir würden Flügel wachsen, um so schnell wie möglich im Impfzentrum zu sein. Aber nein, da gibt es die Reihenfolge fürs Impfen, die auch ihren Sinn hat. Die Gefährdetsten werden zuerst geimpft. Aber das wahre Leben zeigt, da nehmen viele diese Möglichkeit, ihr Leben zu schützen, gar nicht wahr. Tausende Impfdosen warten auf Oberarme. Aber: Wer ihn außer der Reihe hinstreckt, der soll jetzt bitter bestraft werden.

Das ergibt keinen Sinn. Eine Impfstrategie ist dann erfolgreich, wenn so viele Menschen so schnell wie möglich geimpft werden. Das Ziel: Herdenimmunität. Und der ist es egal, wer der Impfling ist. Es geht nur darum, 70 Prozent zu erreichen. Also muss die derzeitige Impfstrategie geändert werden. Und vielleicht hilft da ein Blick auf das kleine Bundesland Bremen. Da haben Unternehmer gehörig Druck gemacht und den Bau eines Impfzentrums, sowie die Organisation des Callcenters übernommen. Ergebnis: Ein riesiges Impfzentrum steht und die Wartezeit an der Hotline beträgt 90 Sekunden.

Politik muss nicht alles selber können. Lasst Euch helfen, mag man ihnen zurufen. Denn was, wenn die Impfhersteller keine Lieferengpässe mehr haben. Was, wenn die bestellten Mengen tatsächlich auf dem Markt sind? Sollen dann Millionen Impfdosen ungenutzt rumliegen, weil die Hotlines überfordert sind, weil bei nicht wahrgenommenen Terminen keiner einspringen darf? Das wäre Planwirtschaft wie in der DDR. Wir kennen das Ergebnis. Die Impfkampagne ist ja im Grunde genommen eine Mega-Veranstaltung und es gibt in unserem Land viele, viele Veranstaltungsfirmen, die sowas erfolgreich und schnell organisieren könnten. Mir wäre lieber, die Politik würde sich damit beschäftigen, als über Strafen nachzudenken.

Stand: 25.02.2021, 13:10