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Kommentar: Impfen macht euphorisch

Kommentar: Impfen macht euphorisch

WDR 4 Zur Sache 06.04.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 06.04.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


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Kommentar: Impfen macht euphorisch

Von Irene Geuer

Langsam kommt der Impf-Zug durch unser Land in Fahrt. Ab morgen werden die Hausärzte mit aufspringen. Die bekommen zwar erst einmal nur eine kleine Wochenration, aber trotzdem, es geht voran. Mehr Impfstoff steht in Aussicht. Und wie sehr sich das die Menschen wünschen, das hat das Osterwochenende gezeigt.

Corona Impfstoff

Bei sehr vielen Menschen in meinem Bekannten- und Familienkreis hallt das Osterwochenende noch nach. Bei manchen hatte ein Krimi um das Impfen stattgefunden, um die Extradosen für die Ü-60er, die ja eigentlich noch gar nicht dran waren. Der Glücksmoment, als eine Enkelin ihrem Großvater den Impftermin im Internet geschossen hatte. Tränen der Freude und Überraschung, es hatte tatsächlich geklappt. Am Sonntag dann in Feierlaune ins Impfzentrum. Und Hochachtung vor denen, die da Dienst hatten. Alle sorgten dafür, dass es so schnell wie möglich ging, alle waren gut drauf, machten Witze, freuten sich mit.

Aber es gab auch diejenigen, die sich den ganzen Tag die Finger wund telefoniert hatten und immer nur das Besetztzeichen hörten. Ein pensionierter Freund rief mich verzweifelt an, am Samstag um 18 Uhr. Er gebe auf, die Impfdosen seien bestimmt schon alle weg. Ich spornte ihn an, versuchs weiter! Und tatsächlich: Zehn Minuten später meldete er sich, himmelhochjauchzend, es hatte geklappt. Genauso wie bei meiner Freundin Britta, die um 20 Uhr noch einen Impftermin für ihre Mutter bekam. Völlig erschöpft von einem ganzen Tag an Telefon und Computer, aber glücklich. Der einzige sinnvolle Schritt in die alte Freiheit ist getan.

Dieses Ostern hatte tatsächlich etwas von Auferstehung. So viele, die in den vergangenen Wochen depressiv geworden waren, blühten auf. Das Herz wurde leicht, bis hin zur Euphorie. Wenn jetzt die Hausärzte mitmachen, wenn bald die Betriebsärzte dazukommen, umso besser. Denn Impfzentren haben an diesem Ostern auch mit langen Warteschlangen offenbart, dass sie es allein nicht reibungslos schaffen. Viele Hausärzte haben schon in der vergangenen Woche Listen angelegt, wer wann dran kommt und den Karfreitag genutzt, um die Terminvergabe zu organisieren. Hervorragend. Denn all die Mühen und Überstunden werden belohnt. Ich glaube, es gibt derzeit nichts, was so dankbar empfangen wird, wie diese Spritze in den Arm.

Stand: 06.04.2021, 13:10