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Herbstferien – Wenn das Nichts die letzten Reiseziele frisst

Herbstferien – wenn das Nichts die letzten Reiseziele frisst

Herbstferien – Wenn das Nichts die letzten Reiseziele frisst

Von Stephan Karkowsky

Die Bundeskanzlerin berät heute mit den Schulministern der Länder, wie unsere Kinder besser geschützt werden können vor der Corona-Pandemie. Damit der erneute Schulstart nach den Herbstferien nicht gefährdet wird. Stephan Karkowsky denkt drüber nach, ob wir nach den ausgefallenen Sommerurlaubsreisen wenigstens im Herbst in Urlaub fahren könnten.

Herbstferien – wenn das Nichts die letzten Reiseziele frisst

WDR 4 Zur Sache 21.09.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 14.09.2021 WDR 4

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Eine gute Freundin verabschiedete sich heute Morgen per SMS: Bin auf dem Weg nach Zürich! Und danach 14 Tage im Burgund, in Frankreich den Spätsommer mitnehmen. Und ich dachte als erstes: Frankreich? Ist das nicht Corona-Sperrgebiet?

Komisch, oder? Voriges Jahr war gefühlt ständig einer der Freunde oder Verwandten auf Reisen. Man bekam schöne Grüße aus Thailand, Fotos vom Eifelturm oder von der Playa de Palma. Und heute? Heute schaue ich bei Urlaubsgrüßen erstmal beim Robert Koch-Institut nach, ab wann man die Freunde wieder ins Haus lassen darf. Wegen Quarantäne und so.

Denn, so entspannt die Lage bei uns auch ist, im Vergleich zu, sagen wir, Madrid oder Paris, so sicher wird sie sich verschärfen. Nein, ich will Ihnen hier nicht den Lauterbach machen. Ich fasse nur zusammen, worin sich Virologen und Gesundheitsminister einig sind: Schwere Lungenentzündungen bei Infektionskrankheiten sind im Winter wahrscheinlicher, als im Sommer.

Während am Wochenende in Düsseldorf eine überschaubare Zahl von Maskengegnern ihre komplette Ahnungslosigkeit demonstrierte, herrscht in Spanien bereits wieder die nackte Angst. Aber auch bei uns gibt es Grund zur Nervosität: In Gelsenkirchen, Hamm, Remscheid und Köln steigt die Zahl der Neuinfektionen stark an. Heißt das: Zuhause bleiben ist genauso gefährlich wie wegfahren?

Wenn Sie mich fragen: Nein, das heißt es nicht. Wer reist, begegnet Menschen. Ich habe in den letzten Wochen mehrfach dienstlich Stunden im ICE oder Flugzeug verbracht. Jedesmal danach zeigte mir die Corona-Warn-App zwei bis drei Risikobegegnungen mit niedrigem Risiko an, was auch immer das bedeutet.

Meine gute Freundin fährt also auf Risiko. Ihre Reiseziele Zürich und Burgund gelten zwar noch als sicher. Die Regionen drum herum aber werden bereits von Reisewarnungen gefressen, wie das Land Phantasien vom Nichts, in Michael Endes Unendlicher Geschichte. Verboten sind Reisen nicht. Ich persönlich aber hätte diesen Herbst dabei kein gutes Gefühl.

Stand: 21.09.2020, 13:10