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Kommentar: Harry und Meghan wollen nicht mehr

Harry und Meghan mit Sohn Archie

Kommentar: Harry und Meghan wollen nicht mehr

Von Irene Geuer

Der nächste Exit steht den Briten bevor. Das Land verabschiedet sich nicht nur von der EU, Prinz Harry verabschiedet sich von seinem Land. Naja, ganz so dramatisch wie der Brexit ist es nicht. Aber als gestern Abend die Nachricht kam, dass sich Harry und Meghan von ihren royalen Pflichten verabschieden, war das in fast allen Medien eine "Breaking News", eine Eilmeldung, die nicht warten wollte. Auch Irene Geuer hat sie beschäftigt.

Kommentar: Harry und Meghan wollen nicht mehr

WDR 4 Zur Sache 09.01.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 08.01.2021 WDR 4 Von Irene Geuer

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Da arbeite ich mich in den Nachrichten durch die brandaktuellen Einschätzungen über das Geschehen im Nahen Osten durch – wie geht es weiter mit der Dreieckskrise USA, Iran und Irak – da macht es plopp, und ich werde nach Großbritannien katapultiert. "Royaler Rückzug – Prinz Harry und Frau Meghan verabschieden sich von ihren Pflichten im Königshaus." Heute sind die Zeitungen voll davon, was nicht heißt, dass der Nahe Osten weniger wichtig wäre, beileibe nicht. An diesem Pulverfass wird weiter herumgezündelt.

Und doch beschäftigt uns, Sie wie mich, auch dieses Königshaus. Nach der Nachricht gleich ein Anruf. "Hast Du das gelesen?" Freundin Britta, die kein vernarrter Fan von Königshäusern ist, die aber bewegt war von ganz vielen Gedanken. "Toll, dass die ihr eigenes Ding machen", sagt sie. Lossagung von einem herrschaftlichen Diktat. Wer kann da nicht nachvollziehen, dass die beiden mit Klein-Archie ausbrechen wollen. Zumal Meghan in der Freiheit des bürgerlichen Lebens aufgewachsen ist, berufstätig, selbständig war.

Die Nachricht berührt, weil wir uns eigentlich gar nicht vorstellen können, wie es ist, mit einem Terminkalender zu leben, der in Stein gehauen erscheint. Mit Kleidervorschriften, mit Verhaltensregeln, von denen man keinen Zentimeter abweichen darf, weil böse Schlagzeilen drohen könnten. Da kann man schon vom Pech sprechen, in eine Königsfamilie hineingeboren zu sein. Das entspricht ganz und gar nicht einem modernen Leben.

Das Königshaus zeigt sich unterdessen weniger hartleibig als in früheren Jahrzehnten. Es gab kein Nein, sondern ein "Das müsse man noch ausdiskutieren". Viel sanftere Töne als z.B. von einem britischen Publizisten. Der schrieb heute: "Schande über Harry und Meghan". Klar, die beiden werden kaum noch den Boulevard füttern, wenn sie in Nordamerika leben. Gut vorstellbar, dass auch die Devotionalien-Industrie einen Schrecken bekommen hat. Royale sind ein Wirtschaftsfaktor. Und jetzt sind es zwei Gesichter weniger, die auf Tassen, T-Shirts und anderem Nippes für gute Umsätze sorgen.

Aber, aber: Es ist nicht der Anfang vom Ende einer Dynastie, wenn sich zwei aus den hinteren Reihen verabschieden. Es ist nur ein Zeichen, dass auch die britische Krone den Weg in die Neuzeit wieder ein bisschen mehr eingeschlagen hat.

Stand: 09.01.2020, 13:10