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Kommentar: Vielleicht mal aus Fehlern lernen?

Schriftzug "Hambi bleibt" auf einem Baum im Hambacher Forst

Kommentar: Vielleicht mal aus Fehlern lernen?

Von Jörg Brunsmann

"Hambi bleibt" – das ist ja für viele bis heute ein geflügelter Spruch. Der Kampf um den Erhalt des Hambacher Forstes hat vor etwa anderthalb Jahren Tausende Menschen auf die Straße getrieben. Vor allem, weil sie schon damals der Überzeugung waren: Es ist unnötig, dass der Stromkonzern RWE den Forst roden lassen will. Jetzt mit dem Kohlekompromiss ist genau das passiert. Nicht nur der Hambacher Forst kann bleiben, auch einige der Dörfer, die abgebaggert werden sollten, dürfen stehen bleiben, genauso wie die Kartbahn, auf der einst Rennfahrer Michael Schumacher als Kind seine ersten Runden gedreht hat. Vielleicht, hofft Jörg Brunsmann, hat jetzt auch RWE dazugelernt. So wie wir alle manche Sachen erst mal lernen müssen.

Kommentar: Vielleicht mal aus Fehlern lernen?

WDR 4 Zur Sache 22.01.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 21.01.2021 WDR 4

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Ich wette, so eine Situation kennen Sie auch – von Ihren Kindern oder Enkeln. Zum Beispiel, wenn die unbedingt ohne Handschuhe oder Mütze Fahrrad fahren wollen. Und nach Hundert Metern feststellen: Das war ein Fehler – es ist doch verdammt kalt.

Wir als Erwachsene wissen, dass es keine gute Idee ist, bei Minustemperaturen einfach so loszufahren; die Kinder müssen das erst noch lernen – und zwar durch eigene Erfahrung und die eigenen, inneren Widerstände überwinden. Kann es sein, dass auch Unternehmen und Konzerne so eine Erfahrung machen müssen, bevor sie dazu lernen? Aktuell bestes Beispiel ist für mich RWE. Alle Hebel hat der Energiekonzern damals in Bewegung gesetzt, um den Hambacher Forst räumen zu lassen.

Es gab jede Menge Protest, große Demonstrationen. Und bei vielen Menschen das Gefühl: Da nutzt ein Konzern seine Machtposition aus. Weil er es kann. Denn schon damals konnte man absehen: Die Kohle, die unter dem Hambacher Forst liegt, wird gar nicht mehr gebraucht. Und genauso ist es jetzt ja auch gekommen: Hambi bleibt.

Jetzt ist ein Großkonzern kein pubertierender Teenager und auch kein bockiger Dreijähriger. Und gerade deshalb hoffe ich, dass das Unternehmen die gemachten Fehler nicht nur zugibt, sondern auch daraus lernt. Ist es nicht auch das, was wir Älteren versuchen, Kindern und Enkeln zu vermitteln? Macht Fehler – aber lernt aus ihnen.

Es wäre auch ein wichtiges Zeichen für unsere Gesellschaft. Ich habe nämlich das Gefühl: Im Moment geht es vielen darum, einfach nur den eigenen Kopf durchzusetzen. Bei Dreijährigen kann ich das verstehen, die müssen eben erst noch ihre Erfahrungen machen. Aber was wären wir für eine kindische und bockige Gesellschaft, wenn es allen und jedem nur noch ums Rechthaben gehen würde? Auch denen, die es eigentlich besser wissen können?

Gerade große Unternehmen müssen auf die Gesellschaft hören – und erkennen, wenn sich etwas ändert. Früher war NRW ein Kohleland – getragen durch die Unterstützung vieler Menschen. Das ist vorbei.

Stand: 22.01.2020, 13:10