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Kommentar: Fällt uns der Himmel auf den Kopf?

Polizisten durchsuchen Zelte in einem Aktivistencamp von Braunkohlegegnern am Hambacher Forst.

Kommentar: Fällt uns der Himmel auf den Kopf?

Von Ferdinand Quante

Keine Ruhe im Hambacher Forst, die Rodung des Waldes scheint unmittelbar bevorzustehen. Aktivisten wollen den Wald schützen und damit auch verhindern, dass in dem Gebiet Braunkohle abgebaut und in Kraftwerken auf schmutzige Weise verbrannt wird.

Sind diese Leute spinnerte Umweltapostel oder ist ihr Einsatz nur vernünftig?

Kommentar: Fällt uns der Himmel auf den Kopf?

WDR 4 Zur Sache | 29.08.2018 | 02:12 Min.

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Tja, sagte der Onkel Doktor, wenn Sie mit dem Rauchen nicht aufhören, ist Ihr Leben bald zu Ende. Dem Patienten fährt der Schrecken in die Glieder, nach ein paar Tagen aber glaubt er, dass ein Zigarettchen hier und da nicht wirklich schaden kann, und schon dampft er wie gewohnt munter weiter.

Der Patient sind wir. Wir finden es schlimm, wenn uns Klimaexperten verheerende Naturkatastrophen voraussagen, aber so schlimm auch wieder nicht. Wir bleiben ruhig, lassen Autos und Flugzeuge weiter dampfen und finden es vielleicht sogar noch verrückt, dass im Hambacher Forst eine Schar von Aktivisten Bäume besetzt, um die Rodung des Waldes zu verhindern. RWE will dort Kohle aus dem Boden holen und damit zwei nordrhein-westfälische Großkraftwerke befeuern, die zu den größten Treibhausgas-Pustern in Europa gehören.

Eigentlich müssten wir alle in den Hambacher Forst, denn eigentlich ist es nur vernünftig, alles Menschenmögliche zu tun, um den Klimawandel zu bremsen, das Schlimmste vielleicht noch zu verhindern. Das Problem bei der Sache ist nur: Wir glauben an die angekündigte Katastrophe nicht. Dass 30.000 Arbeitsplätze am Kohleabbau hängen und es ohne Kohlestrom bis auf Weiteres nicht geht, leuchtet schnell ein – aber ein zukünftiger mittlerer Weltuntergang? Die Sonne geht nach wie vor auf, die Bäume, nun ja, haben schon teils welke Blätter, extrem trocken war er halt, dieser Sommer, aber doch auch schön. Kein Grund zur Panik.

Panik hab ich ja auch nicht. Nur, warum? Wenn der französische Philosoph Bruno Latour recht hat, ist der Klimawandel eine Nummer zu groß für uns. Da komme, so Latour, ein so gewaltiges Ereignis auf uns zu, dass es uns praktisch die Sicht versperrt. Wir sehen nichts, empfinden keine Angst und wollen es wohl auch nicht.

Asterix und Obelix haben bekanntlich Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Könnte uns auch passieren. Aber wenn wir im Gegensatz zu den Galliern keine Angst davor haben, sollten wir wenigstens den Verstand einschalten, auf den Onkel Doktor hören und nicht länger wie gewohnt weiter dampfen.

Stand: 29.08.2018, 13:10