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Kommentar: Habecks Internet-Flucht

Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen

Kommentar: Habecks Internet-Flucht

Von Irene Geuer

Paukenschlag im Internet. Grünenchef Robert Habeck hat Schluss gemacht: Mit Facebook und Twitter. Die sozialen Medien will er nicht mehr bedienen. Weil: Es ist ihm nicht immer gut gelungen, wie auch jetzt wieder, als er per Twitter-Botschaft erklärt hat, dass die Grünen alles versuchen, damit Thüringen ein offenes, freies und demokratisches Land wird. Das hat viel Häme produziert, auch deshalb, weil die Grünen in Thüringen seit 2014 mit in der Regierung sitzen. Ich geh raus, sagt Habeck. Auch das löst wieder einen Sturm der Kritik aus. Aber Irene Geuer sagt: Alles gut.

Kommentar: Habecks Internet-Flucht

WDR 4 Zur Sache 08.01.2019 02:01 Min. WDR 4

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Würde Ihnen etwas fehlen, wenn es keine Politikersprüche mehr auf Twitter gäbe? Ehrlich gesagt würde uns doch ein Teil des Unterhaltungsprogramms abhandenkommen. Wir hätten weniger zu lachen und zum Fremdschämen. Donald Trump ist Twitter-Weltmeister, unangefochten. Aber auch hier haben Politiker einiges zu bieten.

Erinnern Sie sich noch an Peter Tauber, der einer Frau per Twitter erklärte: "Wenn Sie etwas Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs"? Oder Renate Künast, die auf Twitter fragte, warum die Polizei einen Angreifer nicht angriffsunfähig schießt? Da hört man den Schuss, der nach hinten losgeht, weil aus der Hüfte abgefeuert. So wie Habecks Twitter über ein zu demokratisierendes Thüringen.

Der Grünen-Chef hat es eingesehen. So etwas ist peinlich. Und er hat selbstkritisch erklärt, dass die Twitterei in ihm etwas ausgelöst, nämlich aggressiver, lauter und polemischer zu sein und das in einer Schnelligkeit, die es schwer mache, dem Nachdenken Raum zu lassen.

Das ist so. Machen Sie selbst den Versuch, Sie könnten ähnliche Erfahrungen machen. Twitter raubt Zeit. Politiker müssen gucken, was haben die anderen zu einem Thema gesagt. Darauf müssen sie reagieren oder eigene Themen setzen. Spektakulär muss es sein, sonst gehen sie unter.

Diese Zeit könnten sie tatsächlich für das eigentliche nutzen, fürs Politikmachen. Themen entwickeln, mit Menschen sprechen. Aber so sehr wir Älteren auf Twitter verzichten können, für junge Leute gehört es zum Leben dazu. Die kritisieren Habeck jetzt auch, so nach dem Motto, lern es doch.

Muss er nicht. Denn es gibt genügend junge Politiker, die das Medium beherrschen und auch viel besser bedienen als die älteren, weil sie ganz nah am Leben ihrer Zielgruppe dran sind. Überlassen wir ihnen doch das Feld und regen uns nicht über Habeck auf.

Der hat die sozialen Medien auch wegen des großen Datenklaus verlassen, dem er, wie andere Promis, zum Opfer gefallen ist. Auch da hat er gemerkt, wie schwierig es ist, seine Privatsphäre im Internet zu schützen. Sicherheit braucht Zeit und Anstrengung, was zum Beispiel den ständigen Wechsel von Passwörtern angeht. Lohnt sich das, wenn man es außerhalb des Netzes einfacher haben kann? Ein Fotoalbum im Schrank tut es auch und ein gut überlegtes Wort statt eines lockeren Spruches tut uns allen gut.

Stand: 08.01.2019, 13:10