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Kommentar: Warum ich Gutscheine nicht mag

Gutschein Symbolfoto, Schld mit der Aufschrift "Gutschein" und Herz-Dekorationen

Kommentar: Warum ich Gutscheine nicht mag

Von Stephan Karkowsky

Noch ist es spätsommerlich warm draußen, da glitzern in den Innenstädten bereits die ersten Weihnachtslichter! Der Einzelhandel stellt sich ein auf ein Rekordjahr. Und das, obwohl die Wirtschaftsweisen nicht mehr ganz so optimistisch sind für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Stephan Karkowsky wundert sich vor allem darüber, dass das beliebteste Geschenk in Deutschland nach wie vor der Gutschein ist.

Kommentar: Warum ich Gutscheine nicht mag

WDR 4 Zur Sache | 08.11.2018 | 01:56 Min.

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Wer hat, soll geben: Und das ist auch gut so! Nur: Die richtigen Geschenke zu finden, das ist eine Kunst für sich … Der Gutschein macht es dem Beschenker leicht: Und dem Beschenkten unmissverständlich klar, wieviel er uns wert ist. 20 Euro für den Onlineshop, 50 für die Drogerie, 100 für ein schickes Abendessen.

Ein Gutschein hat nichts Subtiles an sich. Es fehlt ihm das Geheimnis des Geschenks, das Anfassen beim Auspacken, kurzum: Gutscheine sind von allen Weihnachtsgeschenken die unsinnlichsten. Das klassische Geschenk dagegen trägt in sich Werte, die man nicht sieht: Die Mühe des Auswählens. Die nervige Parkplatzsuche in vollen Innenstädten. Das Abklappern mehrerer Läden für etwas ganz Bestimmtes. Die langen Schlangen an den Kassen und schließlich: Das Einpacken.

Der Gutschein belastet mit all diesen Dingen den Beschenkten. Er stellt auch kein unsichtbares Band her zwischen Geber und Nehmer. Das klassische Geschenk dagegen zeugt von den vielen Gedanken, die sich liebe Menschen um uns machen.

Klar kann das auch schief gehen: Ich bekam zur Hochzeit einst von den Cousinen einen Kunstdruck von Hundertwasser – weil denen in meiner Wohnung die vielen anderen bunten Bilder auffielen. Dass das vor allem Pop-Art war und ich Hundertwasser nicht leiden kann, geschenkt – die Geste zählt!

An welche Geschenke der letzten Jahre erinnern Sie sich am besten? Sehen Sie, Gutscheine sind es nicht, es sei denn, es war eine Kreuzfahrt darunter oder ein neues Auto. Gutscheine sind das Fast Food unter den Geschenken, sie machen schnell satt und dann vergisst man sie wieder.

Für den Einzelhandel sind Gutscheine wie ein Kredit, den Ihnen der Kunde gibt. Das Geld kassieren sie sofort, die Ware aber müssen sie oft erst viel später rausrücken. Manchmal auch gar nicht: Als ich einmal einen alten Gutschein für einen Saunabesuch einlösen wollte, stand ich vor verschlossenen Türen: Die Sauna gab es bereits seit zwei Jahren nicht mehr.

Stand: 08.11.2018, 13:10