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Grundschulverbot für Kinder ohne Deutschkenntnisse?

Mädchen mit einer Schultüte an seinem ersten Schultag

Grundschulverbot für Kinder ohne Deutschkenntnisse?

Von Stephan Karkowsky

Der Paderborner CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann steht in der Kritik. Für seinen Vorschlag, die Einschulung von Grundschulkindern ohne Deutschkenntnisse zurückzustellen. Stephan Karkowsky kritisiert den Vorschlag – aber auch die Aufregung darüber:

Kommentar: Grundschulverbot für Kinder ohne Deutschkenntnisse?

WDR 4 Zur Sache 06.08.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 05.08.2020 WDR 4

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Wer dreimal hintereinander für die CDU ein Bundestags-Direktmandat gewinnt, wie Carsten Linnemann, strotzt vor Selbstbewusstsein. Linnemann ist ehrgeizig. Manche sagen sogar: Eitel. In seinem Wikipedia-Artikel listet er stolz all seine politischen Erfolge auf. Womöglich zählt auch der jüngste Vorstoß bald dazu.

Unangemessen daran finde ich vor allem die Aufregung darüber. Denn Linnemann hat lediglich betont, was auch bei uns in Nordrhein-Westfalen die Regel ist: Grundschulkinder sollten erst dann eingeschult werden, wenn sie dazu geeignet sind. Sind sie es nicht, können sie auch heute schon bis kurz vor Vollendung des siebten Lebensjahres in Kindergarten oder Vorschule bleiben.

Leider aber macht Linnemann etwas zum Problem, was keines ist. Wenn bei Sprachtests wie in Duisburg über 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch können, ist das nicht weiter schlimm: Denn nach einem Jahr Schule sprechen die meisten bereits wie ihre Mitschüler. Kinder lernen Deutsch enorm schnell, erst recht in einem Umfeld, in dem nur Deutsch gesprochen wird. Am besten also: In der Grundschule!

Dass diese 16 Prozent die anderen Kinder in ihren Lernfortschritten hemmen, ist eine höchst unsoziale Vorstellung. Denn anderen, sprachschwächeren Kindern helfen zu können, stärkt die Sozialkompetenz der Kinder und fördert ihr Selbstbewusstsein, sagen Pädagogen. Dass Linnemann damit nun Fischen am rechten Rand vorgeworfen wird, kennt er bereits von seinem Vorschlag, ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren einzuführen.

Neu ist, dass ihm selbst eine CDU-Bildungsministerin populistischen Unfug vorwirft, Kritik also auch aus den eigenen Reihen kommt. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass sich die Union in Familiensachen nicht gern von kinderlosen Männern reinreden lässt. Dass allerdings der Verband Bildung und Erziehung Linnemanns Forderung eine "Bankrotterklärung der Politik" nennt, ist eher eine Bankrotterklärung der Diskussionskultur. Streiten nämlich sollte man über solche Vorschläge unbedingt. Meist bringt uns das ein Stück weiter.

Stand: 06.08.2019, 13:10