Die NRW-Grünen – Vom Erfolg überrumpelt

Ein Herz mit der Aufschrift «Mein Herz schlägt grün» bei einem Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen

Die NRW-Grünen – Vom Erfolg überrumpelt

Von Katja Schwiglewski

Bei der Europawahl im Mai haben die NRW-Grünen ein starkes Ergebnis erzielt. 23,2 Prozent der Stimmen, Platz zwei. Jetzt hofft die Partei auch für die Kommunalwahl 2020 auf ähnliche Erfolge. Es gibt da allerdings ein kleines Problem: An der Basis, gerade im ländlichen Raum, haben die Grünen gar nicht genug Aktive, um alle Mandate nach einem solchen Traumergebnis zu besetzen.

Die NRW-Grünen – Vom Erfolg überrumpelt

WDR 4 Zur Sache 12.06.2019 02:01 Min. Verfügbar bis 05.06.2020 WDR 4

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In der westfälischen Gemeinde Lippetal haben die Grünen am 26. Mai rund 20 Prozent der Stimmen eingefahren. Dort gibt es aber noch nicht einmal einen grünen Ortsverband.

In Lippetal und anderen kleineren Kommunen sind die Grünen vom eigenen Erfolg regelrecht überrumpelt worden. Ich glaube, alle haben gedacht, dass die grüne Wählerschaft vor allem im urbanen Umfeld wächst und gedeiht, in den größeren Städten.

Und auf einmal mutieren die Grünen zur neuen Volkspartei, landes- und bundesweit getragen von der jungen Generation. Das ist schon eine große Hypothek und ein enormer Vertrauensvorschuss. Mit dieser gewachsenen Verantwortung müssen die Grünen jetzt zurechtkommen.

Mein Eindruck unmittelbar nach der Europawahl war, dass in so manchem Gesicht sogar ein klein bisschen Unbehagen zu sehen war. Wer politische Verantwortung trägt, weiß nämlich ganz genau, dass Realpolitik nicht unbedingt das Zeug hat, von heute auf morgen die Welt zu retten. In der Politik müssen unterschiedliche Interessen berücksichtigt und eine Menge Kompromisse geschlossen werden. Das gilt auf allen Ebenen.

Ganz besonders gilt das aber auf der kommunalen Ebene, wo im Stadt- oder Gemeinderat und in den Ausschüssen politisch engagierte Bürger aufeinandertreffen, die sich morgens beim Bäcker oder samstags auf dem Markt begegnen, die vielleicht Nachbarn sind oder gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. Nirgendwo ist Politik näher am Leben als in den Kommunen. Deshalb funktioniert es auch nicht, irgendwelche Kandidaten kurz vor Kommunalwahlen aus dem Hut zu zaubern.

Wenn die Grünen ihren Höhenflug fortsetzen wollen, brauchen sie Leute an der Basis, die mit ihnen durchstarten. Solche Menschen brauchen aber auch alle anderen Parteien. Menschen, die bereit sind, mehr als ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Die einen Teil ihrer Freizeit für die oft mühsame politische Arbeit opfern. Die sich aus Überzeugung für die Gemeinschaft engagieren und etwas tun. Nur wenn wir mitmachen, lässt sich wirklich etwas bewegen.

Stand: 12.06.2019, 00:00