Kommentar: GroKo

Baender mit den Logos von CDU und SPD, Symbolbild Grosse Koalition, Deutschland

Kommentar: GroKo

Von Stephan Karkowsky

Die Große Koalition in Berlin legt heute ihre Halbzeitbilanz vor: So hatten es Union und SPD im Koalitionsvertrag gemeinsam vereinbart. Zwei Jahre sind um, zwei weitere Jahre sollen folgen. Stephan Karkowsky findet: Die GroKo als Vernunftehe ist besser als ihr Ruf.

Kommentar: GroKo

WDR 4 Zur Sache 06.11.2019 02:07 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 WDR 4

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Wissen Sie, was mich gerade extrem stört? Dass Politiker von Union und SPD auf allen Kanälen ständig gefragt werden: "Wann platzt sie denn, Eure große Koalition?" Ich bin sicher: Ex-Landesfinanzminister und Steuersünderjäger Borjans von der SPD hängt das Wort "Sollbruchstelle" schon zum Halse raus.

Alle wollen von Borjans immer nur wissen, wie sehr sich die SPD verbiegen würde, um einem Bruch der GroKo und damit Neuwahlen zu entkommen. Dabei könnte er das nicht mal dann allein entscheiden, wenn er SPD Chef wäre. Und noch ist er das ja nicht.

Ich find das fies. Überlegen Sie mal: Diese GroKo ist erst zwei Jahre zusammen. Welches Brautpaar würden Sie nach zwei Jahren Ehe täglich nerven mit der Frage: Was muss passieren, damit Ihr Euch trennt?

Klar: Bei Typen wie Friedrich Merz oder Norbert Röttgen würde das die reinste Schadenfreude auslösen. Die spielen jetzt die Rolle des beleidigten Schwagers, der die schöne Braut selbst gern geheiratet hätte, nun aber einsam zuschauen muss, wie andere die Kinder groß ziehen.

Die sind neidisch. Und das können sie auch sein. Das Haus steht. Und alle Eheberater sagen: Gemeinsames Eigentum ist der beste Schutz vor Scheidung. Beide Partner sind extrem treu. Man sieht das beim Blick in den Koalitionsvertrag. Im Prinzip ein detaillierter Ehevertrag. Da steht genau drin, was man sich gegenseitig verspricht. Und jedes zweite dieser Versprechen wurde nach zwei Jahren bereits eingelöst.

Können Sie das von Ihrer Ehe behaupten? Schatz, ich fahr mit Dir öfter in Urlaub. Ich arbeite weniger, mache mehr Sport, nehme ab, trinke weniger: Wer ehrlich sein will, muss die GroKo zur Musterehe erklären!

Klar streitet man mal. Sie etwa nicht? Und klar lockt da auch mal ein Seitensprung, wie jetzt in Thüringen. Die Kirschen in Nachbars Garten können aber auch vergiftet sein. Darum: Fragen Sie sich lieber: Was passiert in zwei Jahren, wenn neu gewählt wird? Und freuen sich solange über eine Ehe, die vielleicht nur eine Vernunftehe ist. Aber gerade darum Stabilität fürs Land gewährleistet.

Stand: 06.11.2019, 13:10