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Kommentar: Grippewelle – Medikamente müssen sicher sein

WDR 4 Zur Sache – Kommentar: Grippewelle und zu wenig Medikamente

Kommentar: Grippewelle – Medikamente müssen sicher sein

Von Ferdinand Quante

Es gibt viele Pharmafirmen in Deutschland, aber nur wenige stellen hier überhaupt noch Medikamente her. 80 Prozent kommen aus dem nichteuropäischen Ausland. Die Versorgung mit Arzneimitteln steuern wir schon seit langem nicht mehr selbst, und jetzt haben wir den Salat: Fast regelmäßig kommt es zu Versorgungslücken. Wer schuld ist daran? Am Ende sind wir es wohl selbst.

Kommentar: Grippewelle – Medikamente müssen sicher sein

WDR 4 Zur Sache 24.01.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 23.01.2021 WDR 4


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Winterzeit, Grippezeit. Dieses Jahr schlagen die Viren zum Glück nicht so hart zu wie vor zwei Jahren, als in Deutschland laut Robert-Koch-Institut etwa 25.000 Menschen durch das Grippevirus starben.

Jetzt ist eine spezielle Variante dieser kleinen unsichtbaren Teufel aufgetaucht, nämlich in China, wo sich das Coronavirus ausbreitet. Nur wenn es um Gefahren für die Gesundheit geht, macht uns hierzulande nicht irgendeine Form der Virenausbreitung momentan zu schaffen, sondern ein ganz spezieller Schwund: Medikamentenschwund.

Eine ganze Reihe von Pillen und Tropfen sind nicht mehr einfach so verfügbar, und zwar gängige Medikamente, die der Apotheker nicht verlässlich in seinen Schubladen hat: Schmerzmittel, Antibiotika, Blutdrucksenker, Antidepressiva. Insgesamt rund 260 Arzneien.

Hauptgrund für den Schwund: das Geld. So wird seit ein paar Jahren kein einziges Antibiotikum mehr in Deutschland hergestellt, weil es Unternehmen in China und Indien kostengünstiger machen, und kostengünstig muss es sein, die Krankenkassen und die Arzneimitteleinkäufer der Kliniken wollen das so. Mit Rabattverträgen drücken sie die Preise, und irgendwann werden dann die Pillen halt da gedreht, wo es am billigsten ist.

Der dicke Haken an der Sache: Ein gängiges Medikament wird jetzt oft nur noch von einem Unternehmen produziert. Wenn dabei etwas schiefgeht, stockt die Lieferung, und die Versorgungslücke ist da. Und das darf nicht sein.

Medikamente sind nun mal keine Konsumartikel. Sie wie Hosen, Autos oder Handys dem Spiel des freien Marktes zu überlassen, kann lebensgefährlich sein. Der Unfug mit den Rabattverträgen muss deshalb beendet werden, dafür sollte der Gesundheitsminister sorgen, und auch dafür, dass die Produktion, vor allem die Produktion von Antibiotika, auf mehrere Unternehmen verteilt wird.

Versorgungslücken bei Medikamenten. Dass es dazu mal kommen könnte, hätte ich nicht gedacht. Das Ganze könnte sich zu einer handfesten Bedrohung auswachsen. Jedenfalls ist es bedrohlicher als das Coronavirus, das hier bei uns aktuell ja nur die Medien verbreiten.

Stand: 24.01.2020, 13:10