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Kommentar: Gastgeschenke und Geburtstagspräsente

 DFB, Pressekonferenz Ruecktritt - DFB Praesident Reinhard Grindel (Deutscher Fussball-Bund)

Kommentar: Gastgeschenke und Geburtstagspräsente

Von Katja Schwiglewski

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war eine Luxusuhr, jetzt ist Reinhard Grindel nicht mehr DFB-Präsident. Die Uhr war das Geschenk eines reichen Fußball-Funktionärs aus der Ukraine. Der saß gemeinsam mit Grindel im Exekutiv-Komitee der UEFA, deshalb hat die Sache nach allgemeinem Empfinden mindestens ein Geschmäckle. Warum und wie beschenken wir uns eigentlich?

Kommentar: Gastgeschenke und Geburtstagspräsente

WDR 4 Zur Sache 03.04.2019 01:50 Min. WDR 4

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Das Schenken macht mir großen Spaß. Ich würde sogar sagen, dass ich lieber andere beschenke als selbst Geschenke zu bekommen. Bin ich deshalb ein selbstloser Mensch?

Das glaube ich nicht, denn das größte Geschenk ist die Zuneigung, die uns andere entgegenbringen. Zu sehen, wie sich jemand über ein persönliches Geschenk freut, weckt Glücksgefühle, vor allem beim Schenkenden.

Der materielle Wert ist dabei gar nicht entscheidend. Einkaufsgutscheine machen selten glänzende Augen, vielleicht noch bei Kindern und Enkeln, die knapp bei Kasse sind und alimentiert werden. Aber man stelle sich vor, bei guten Freunden zum Abendessen eingeladen zu sein und als Gastgeschenk einen Kaufhaus-Gutschein oder ein Plastikkärtchen aus dem Drogeriemarkt mitzubringen. Wie unpassend.

Auch eine Luxusuhr wäre deplatziert, allein der Gedanke erscheint absurd. Mit Geschenken zu protzen, ist billig. Wertvoll ist, sich Gedanken zu machen und eine gewisse Mühe zu verwenden. Zeit zu schenken. Das geht auch in Form einer selbstgemachten Marmelade mit Früchten aus dem eigenen Garten. Stundenlang Beeren pflücken, putzen, einkochen und dann ein Glas davon hergeben, das ist ein echtes Geschenk.

Mit solchen Gaben wird auch niemand brüskiert, und das sage ich ganz bewusst. Denn die Kunst des Schenkens ist gar nicht so einfach. Da lauern eine Menge Fettnäpfchen und Fallstricke. Schenken erfordert Fingerspitzengefühl, im privaten und erst recht im beruflichen oder offiziellen Umfeld. Politiker, Beamte und Funktionäre müssen besonders zurückhaltend sein.

Aber wir alle sollten uns fragen: Was ist angemessen? Was will ich mit meinem Geschenk ausdrücken? Das zu bedenken ist wichtig, damit keine Seite hinterher beschämt oder beschädigt ist. Damit das Schenken eine ehrenwerte Geste der gegenseitigen Zuneigung bleibt.

Stand: 03.04.2019, 00:00