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Kommentar: Wieviel Greta braucht der Mensch?

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg erhält den Sonderpreis Klimaschutz im Rahmen der jährlichen deutschen Film- und Fernsehpreise "Goldene Kamera" der deutschen Fernsehzeitschrift "HoerZu"

Kommentar: Wieviel Greta braucht der Mensch?

Von Irene Geuer

Das war ja schon berührend, als Greta Thunberg am Samstag den Sonderpreis der goldenen Kamera entgegen genommen hat. Diese schwedische Schülerin hat es geschafft, dass das Thema Umweltschutz wie nie zuvor überall diskutiert wird. Und Bully Herbig hatte eine sehr eindringliche Rede auf sie gehalten. Also: Ein toller Moment.

Tja und dann das: In derselben Sendung wird an eine Nachwuchsschauspielerin ein SUV mit Verbrennungsmotor verschenkt. Haben denn viele immer noch nicht den Schuss gehört? Ja, sagt Irene Geuer.

Kommentar: Wieviel Greta braucht der Mensch?

WDR 4 Zur Sache 01.04.2019 01:48 Min. WDR 4

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"Wir leben in einer merkwürdigen Welt", hat Greta am Samstag gesagt. Und damit auch für diesen Abend den Nagel auf den Kopf getroffen. Da wird diese mittlerweile weltweit bekannte schwedische Umweltaktivistin geehrt und danach Technologie verschenkt, die beileibe nicht für eine bessere Welt sorgt, gesponsert von einem Unternehmen, das mit einem Abgasskandal Schlagzeilen macht.

Na gut, vielleicht wird die Welt der beschenkten Nachwuchsschauspielerin besser, kurzfristig zumindest. Denn ihr wurde erklärt, dass das Auto ihr helfen soll, wenn sie zu einem Casting fahren muss. Man hätte ihr auch ein Dauer-Zugticket schenken können, aber der Sponsor war nun mal nicht die Deutsche Bahn, sondern VW.

Ist das böswillig? Ich glaube nicht. Ist das gedankenlos? Das könnte schon eher der Fall sein. Und es zeigt, wir haben immer noch nicht so richtig verstanden. Und wir brauchen doch noch mehr Greta und viele weitere Gretas, die nicht locker lassen, bis wir Älteren tatsächlich umdenken.

Klar geht es nicht von heute auf morgen. Wir werden noch ein paar Jahre Autos mit Verbrennungsmotoren fahren. Wir werden auch noch Kohle für den Strom brauchen und nicht sofort jede Plastikverpackung durch Esspapier ersetzen können. Aber wir müssen darauf zu arbeiten. In der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Politik, aber auch in allen anderen Bereichen.

Und da gehört die Glamourwelt einer Goldenen Kamera dazu. Wer Autos verschenkt, der lebt noch in der alten Welt der alten weißen Männer und wird sehr bald zu den ewig Gestrigen gehören. Hoffentlich. Genauso wie Politiker, die immer noch glauben, sie könnten mit dem Argument punkten "Freitagsdemo gleich Schuleschwänzen".

Ich kann verstehen, dass viele Greta nicht mögen und ihre Demos ablehnen. Weil sie sich ertappt fühlen und bloßgestellt. Es ist nun mal absolut peinlich, dass eine 16-Jährige die Wahrheiten sagt, auf die wir schon längst selbst hätten kommen müssen. Wir leben in einer merkwürdigen Welt, ja Greta, da hast Du Recht.

Stand: 01.04.2019, 00:00