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Ein Jahr Greta

Greta Thunberg, Klimaaktivistin aus Schweden, steht während einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt auf einer Bühne.

Ein Jahr Greta

Von Ferdinand Quante

Ein blondes Mädchen vor dem schwedischen Parlament mit einem Stück Pappe als Protestschreiben: Ein Jahr wird es morgen her sein, dass Greta Thunberg ihren Kampf gegen die Erwachsenen und ihre allzu laschen Maßnahmen gegen den Klimawandel startete. Aus der kleinen Einzelmeldung wurde eine Riesenwelle. Aber nicht alle finden Greta toll.

Ein Jahr Greta

WDR 4 Zur Sache 19.08.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 18.08.2020 WDR 4

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Bist du für oder gegen sie? Über Greta Thunberg kann man nicht reden, ohne sich zu bekennen. Und jedes Bekenntnis hat Folgen. Man urteilt nämlich nicht nur über eine 16-jährige aus Schweden, man fällt auch ein Urteil über sich selbst. Pro Greta heißt: Ich will ebenfalls die Welt retten. Wer contra ist, steht schnell in Verdacht, dass einem das Schicksal der Erde irgendwo dran vorbeigeht.

So ist das, wenn man über die weltweit größte Autorität in Sachen Klimawandel redet. Über sie wird ja alles mögliche gesagt: Aufrührerin, Schulschwänzerin, Kultfigur, trotziger Teenager, charismatische Kämpferin. Religiöse Verehrung ist auch mit dabei. Und natürlich gab’s jetzt ein Riesentamtam, als irgendwer rausfand, dass ihre aktuelle Atlantiküberquerung per Boot doch nicht so CO2-freundlich ist, wie sie für eine Greta Thunberg nun mal unbedingt sein sollte. Die Heilige und ihr Sündenfall. Die ist ja auch nicht besser als wir!

Hat aber mehr bewirkt, könnte man sagen. Wie viele Jugendliche sie aus Klassenzimmern geholt hat, um den Erwachsenen in den Hintern zu treten, ist nicht bekannt. Es dürften Hunderttausende sein, und es werden immer noch mehr. Die Wut, die Greta Thunberg ja auch hervorruft, rührt zum Teil eben daher, dass da ein Mädchen wagt, die Großen anzuklagen: Ihr habt den ganzen Umweltschlamassel angerichtet und tut nichts dagegen. Oder fast nichts. Jedenfalls nicht genug. Und jetzt haut gefälligst rein.

Sie hat ja völlig recht. Mit dem Klimawandel lässt sich so wenig verhandeln wie mit einer defekten Waschmaschine. Man muss etwas tun, Maßnahmen ergreifen. Der Klimawandel macht halt keine Kompromisse, und Greta anscheinend auch nicht. Sie ist genauso hart und beständig wie das Problem, gegen das sie die Welt zu mobilisieren versucht.

Und erstaunlich ist ja, dass sie sich unter dem Druck der Riesenwelle, die sie erzeugt hat, nicht erkennbar verändert. Noch immer scheint sie die Jugendliche zu sein, die sie war, als sie vor einem Jahr erstmals neben dem schwedischen Parlament stand, allein mit einem Plakat und seiner simplen Botschaft: Schulstreik für das Klima.

Stand: 19.08.2019, 13:10