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Kommentar: Gottschalk über das Altern

Thomas Gottschalk

Kommentar: Gottschalk über das Altern

Von Stephan Karkowsky

Über Moderator Thomas Gottschalk wurde viel geredet die letzten Tage: Weil er beim Bayerischen Rundfunk aufhört, angeblich aus gesundheitlichen Gründen, und weil er ein Buch über das Altern geschrieben hat. Über beides sprach er gestern bei Maischberger und nichts davon konnte Stephan Karkowsky überzeugen.

Warum Gottschalk uns nichts über das Altern beibringen kann

WDR 4 Zur Sache 05.12.2019 02:03 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 WDR 4

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Es war kurz vor Mitternacht, zur Geisterstunde. Man hatte viel über den 70. Geburtstag der NATO geredet, als der letzte Gast die Runde betrat, auch er wird nächstes Jahr 70: Thomas Gottschalk. Als erstes dementierte er die Gerüchte über seinen Gesundheitszustand. Und bekannte sich zu seinen Wehwehchen: Acht Pillen schlucke er jeden Tag. Gegen Bluthochdruck und Asthma.

Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Auch wenn ich Gottschalk ungeheuer sympathisch finde. Und immer noch sehr lustig. In seinem Buch Herbstbunt spricht er vom "Kampf gegen die Vergreisung". So nennt er seinen Umgang mit dem Älterwerden. Aber will man wirklich Ratschläge darüber hören von einem prominenten Multimillionär?

Der sich dreimal die Woche einen privaten Fitnesstrainer leistet und mit viel Geld den Verfall des Körpers aufhält? Der sich nie in überfüllte Busse und U-Bahnen quetschen muss oder in volle Wartezimmer beim Arzt? Der seine Thea mit 73 Jahren sitzen lässt, einfach weil er es kann, und weil ihn keine finanzielle Not zum Aushalten einer kaputten Ehe zwingt?

Ich will hier keine Neiddebatte aufmachen. Ich gönne ihm das von vollstem Herzen. Promis wie Gottschalk haben schließlich einen großen Nachteil: Sie altern in aller Öffentlichkeit. Wir registrieren jede neue Falte, jeden Krankenhausbesuch, jeden peinlichen Flirt, jeden beruflichen Absturz. Aber gleichzeitig sind Gottschalks Privilegien auch nicht geeignet, uns Normalsterbliche auf das Älterwerden vorzubereiten. "Wenn Du mit einer gewissen Lässigkeit Dein Leben lebst", dann sei das für ihn würdiges Altern, sagt Gottschalk. Und spricht, wie eigentlich immer, nur über sich. Denn Lässigkeit muss man sich leisten können.

So sollte man auch sein Buch lesen. Auch wenn es wirkt wie ein Ratgeber, ist es doch vor allem eine unterhaltsame Anekdotensammlung. Gottschalk wird bald verkünden, welche noch streng geheime Aufgabe er mit 70 als nächste übernehmen wird. Vom Rentnerdasein jedenfalls ist er noch weit entfernt.

Stand: 05.12.2019, 13:10