Kommentar: Gleiche Liebe

Die Moderatorin Anne Will (r) und ihre Lebensgefährtin, die Professorin Miriam Meckel. Die TV-Moderatorin Anne Will und die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel haben ihre Partnerschaft beendet.

Kommentar: Gleiche Liebe

Von Katja Schwiglewski

Fernsehmoderatorin Anne Will und ihre Lebenspartnerin, die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, haben ihre Trennung bekannt gegeben. Ihr Privatleben wollten die beiden Medienfrauen immer aus der Öffentlichkeit heraushalten. Sie waren auch schon länger ein Paar, bevor Anne Will die Beziehung 2007 öffentlich gemacht hat. Unstrittig das Recht auf Privatsphäre! Aber genauso selbstverständlich sollte es sein, dass jede Liebe heutzutage ohne Versteckspiel gelebt werden kann.

Kommentar: Gleiche Liebe

WDR 4 Zur Sache 12.11.2019 02:02 Min. Verfügbar bis 11.11.2020 WDR 4

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"Same Love", "Gleiche Liebe", so heißt ein Song des amerikanischen Hip Hop-Duos Macklemore & Ryan Lewis. 2012 ist dieses Lied erschienen, als in Washington gerade die Weichen für die Homo-Ehe gestellt wurden. Ich mag dieses Lied sehr. Es beschreibt die Vorbehalte, denen homosexuelle Menschen oft ausgesetzt sind, ihre Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung. Dabei ist es doch immer die gleiche Liebe, so die Botschaft des Songs, ganz egal, ob sich ein Mann und eine Frau lieben, zwei Männer oder zwei Frauen. Das Kribbeln im Bauch, die erste Verliebtheit, das Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit, die Höhen und Tiefen einer langjährigen Beziehung, das alles ist einfach nur zutiefst menschlich und völlig gleich. Wer will sich da in irgendeiner Form moralisch erheben?

Doch was mir so selbstverständlich wie nur irgendwas erscheint, ist leider nicht immer und überall selbstverständlich. Wir reden nicht von Ländern, in denen Homosexualität bis zum heutigen Tag verboten und gesellschaftlich geächtet ist, wo Schwule und Lesben brutal verfolgt werden. Homophobie existiert auch bei uns, latent oder offen. Allein der Sprachgebrauch: Schwuchtel, Tucke, Kampflesbe. Das sind keine freundlichen Begriffe, und doch kursieren diese Ausdrücke und noch viel drastischere auf der Straße, auf dem Schulhof.

Und so ist das Outing auch in Deutschland nach wie vor eine Sache, die gut überlegt sein will. In der Stadt mag es leichter sein als auf dem Land, im Showbusiness ist es eher möglich als im Profifußball. Insgesamt aber muss noch einiges passieren, damit wir von einer wirklich freien und toleranten Gesellschaft sprechen können.

Meine Heldin ist eine hochbetagte Nachbarin. Die hat gerade ihre Wohnung verkauft, an ein schwules Paar. Nach dem ersten Besichtigungstermin meinte die alte Dame, die netten Herren hätten ihre Frauen ja gar nicht mitgebracht. Nein, nein, so ist das nicht, wurde sie aufgeklärt, die beiden wollen hier einziehen ... Ach so, hat die 96-Jährige da nur kurz gesagt und weiter alles für den Verkauf vorbereitet.

Stand: 12.11.2019, 13:10