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Kommentar: Gleichberechtigung geht zurück

Symbolbild Geschlechterkampf, Gleichberechtigung von Mann und Frau

Kommentar: Gleichberechtigung geht zurück

Von Irene Geuer

Männer und Frauen sind gleichberechtigt – das steht zwar seit Jahrzehnten im Grundgesetz, aber dieser Satz wird immer noch nicht wirklich gelebt. Das betrifft nicht nur den Frauenanteil in Führungspositionen, der laut Statistischem Bundesamt bei 29 Prozent liegt. Deutschland steht im neuen Ranking des Weltwirtschaftsforums auf Platz 14. Im vergangenen Jahr war es noch Platz 12. Was unter anderem daran auch liegt, das andere Länder einfach besser geworden sind in Sachen Emanzipation.

Kommentar: Gleichberechtigung geht zurück

WDR 4 Zur Sache | 18.12.2018 | 01:59 Min.

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Meine 14-jährige Tochter und ich sind im Park unterwegs. Ein Mann kommt uns entgegen, mit einem Baby in einer Bauchtrage. Ich lächele ihm freundlich und aufmunternd zu. "Kennst du den?", fragt meine Tochter. "Nein. Ich habe diesem Vater zugelächelt, weil er sich um das Kind kümmert. Das ist doch toll." – "Komisch", meint meine Tochter, "fremde Mütter lächelst du nicht an."

Peng. Das hatte gesessen. Und es stimmt. Ich freue mich immer noch über jeden Mann, der seinen Job für ein paar Monate aufgibt, um zuhause das Baby zu hüten. Ich freue mich über jeden, der seine berufliche Tätigkeit auf 75 Prozent reduziert, um drei Mal die Woche den Kindergartenabholdienst zu machen, so dass auch seine Frau arbeiten kann.

Viel zu wenige Männer sind bereit, sich Familie mit ihren Frauen zu teilen. Die nordeuropäischen Länder sind da anders drauf und unter anderem deshalb stehen sie im Gleichberechtigungsranking weit vor Deutschland. In Schweden gehört es zum guten Ton, als Mann für die Kinder da zu sein. Und in Deutschland ist das immer noch etwas Beachtenswertes. Nicht mal sechs Prozent der Männer gehen in Teilzeit.

Warum gibt es eigentlich noch das Ehegattensplitting? Da wird ein Familienmodell steuerlich begünstigt, das aus den 50er Jahren stammt. Der Alleinverdiener mit Muttern am Herd. Muss dringend abgeschafft werden.

Wir müssen den Frauen mehr Beachtung schenken. In der Grundschule meiner Tochter wurde ganz streng darauf geachtet, welches Buch im Unterricht gelesen wurde. Das musste auf jeden Fall eine Jungsgeschichte sein, weil Jungs nicht gerne lesen und deshalb von der Geschichte angesprochen sein müssen. Den Mädchen unterstellte man, toleranter beim Lesestoff zu sein. Komischerweise wurde nicht darauf geachtet, wie Mädchen mit Mathe umgehen. Da gab es keine besonderen geschlechtsbezogenen Hilfen. Und da bestätigt sich der Report des Weltwirtschaftsforums: In Mathe und Naturwissenschaften liegen die Frauen hinter den Männern. Das müssen wir ändern.

Dass unsere Regierung schon lange von einer Frau angeführt wird, reicht nicht. Obwohl – es hat Signalwirkung. Als neulich ein CDU-Mitglied im Radio meinte, jetzt müsste der Parteivorsitz mal wieder an einen Mann gehen, da guckte mich meine Tochter mit großen Augen an. Warum? Sie hatte das nicht verstanden. Und das ist prima so!

Stand: 18.12.2018, 00:00