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Kommentar: Glaube, was du willst

Jom Kippur

Kommentar: Glaube, was du willst

Von Gabriele Kraiczek

Wir berichten heute über Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag. Schön, dass die jüdischen Gemeinden ihn wieder hier in unserem Land feiern können.

Kommentar: Glaube, was du willst

WDR 4 Zur Sache 15.09.2021 01:35 Min. Verfügbar bis 15.09.2022 WDR 4


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Es ist gut, dass jüdisches Leben wieder vielfältig hier in unseren Städten und Dörfern stattfindet. Es gab Zeiten in Deutschland, da war das nicht so. Mit Scham und Schuld schauen wir auf diese Zeit des Nationalsozialismus zurück und deswegen sind Religionsfreiheit und der Kampf gegen Antisemitismus ein hohes Gut in unserer Demokratie. 

Das haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes erkannt und gelernt. Auch wenn Religion Privatsache ist und nicht die Basis für die weltliche Politik sein sollte, ist es gut, dass der Staat die Glaubensfreiheit gewährleistet und schützt. Ohne Ansehen an welche Göttin und welchen Gott ich gerade so glaube.

Mich erstaunt und entsetzt es, wie in diesem Jahrtausend wieder über Glauben gestritten wird. Im Namen welchen Gotts auch immer Kriege geführt und Menschen aus der Gesellschaft ausgegrenzt oder ihrer Existenz beraubt werden.

Deswegen ist es gut, wenn der politische Kompass unserer Gesellschaft Glaubende und Glaubensgemeinschaften schützt – sie nicht stigmatisiert, sich aber auch nicht von ihnen dominieren lässt. Eine freie, gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft aufzubauen, ist eine Aufgabe für alle Menschen, die darin leben. Gruppen aufgrund von Glauben, Herkunft oder Geschlecht auszugrenzen und anzugreifen, ist nicht nur unklug sondern entspricht auch nicht unserer modernen, toleranten auf Entwicklung und Wohlstand für alle, ausgerichteten Demokratie.

Und als wohlausgebildete Demokratinnen und Demokraten – das unterstelle ich jetzt mal – geben und erheben wir in diesen Tagen bei der Bundestagswahl auch mal wieder unsere Stimme.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Kommentars fehlten im ersten Abschnitt drei wichtige Wörter. Wir haben den Text korrigiert und den Kommentar neu eingesprochen.

Stand: 15.09.2021, 12:15