Kommentar: Die schönen Geschichten des Lebens

Die schönen Geschichten des Lebens

Kommentar: Die schönen Geschichten des Lebens

Von Irene Geuer

Die Nachrichten dieser Tage sind mal wieder randvoll mit Dingen, die wir eigentlich gar nicht haben wollen: Randalierende Partyszene in Stuttgart, in Nümbrecht werden Feuerwehrleute bei einem Großeinsatz mit Eiern beworfen. Corona-Tönnies macht uns weiter zu schaffen. Das Toilettenpapier geht auch in den Nachbarkreisen von Gütersloh schon aus. Im Hambacher Forst heute die Polizei. Der Innenminister will Barrikaden wegräumen. Katz- und Mausspiel mit Umweltaktivisten, für was?! Irene Geuer macht daher heute mal einen Shutdown der schlechten Nachrichten.

Kommentar: Die schönen Geschichten des Lebens

WDR 4 Zur Sache 23.06.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 23.06.2021 WDR 4

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Ich bin Mensch, habe auch nur eine Seele, die jeden Tag diese ganzen schlechten Nachrichten nicht nur aushalten, sondern auch bearbeiten muss. Und daher meine ich: Wir dürfen uns mal was Schönes gönnen. Die Geschichte von - nennen wir sie Anette. Die junge Frau ist heute zum ersten Mal mit dem Zug zur Arbeit nach Dortmund unterwegs. Allerdings fährt ihr Smartphone weiter. Vergessen in der Eile, nicht dran gedacht, dass sie es auf den Sitz neben sich gelegt hatte.

Sie kennen wahrscheinlich den Gefühlsmix aus Ärger, Trauer, aber auch Unsicherheit. Dieser plötzliche Schweißausbruch und das flaue Gefühl im Magen. Smartphone weg, das ist ja heute fast so wie früher der Verlust der Brieftasche. Aber der Finder hat sich gemeldet, mit einem großen Glücksgefühl. Er erklärte, dass er immer gehofft habe, dass, wenn jemand sein Smartphone verliert, er es findet. Weil er genau weiß, wie schlimm der Verlust ist. Er wollte immer so eine Situation heilen. Das ist ihm gelungen. Die Übergabe soll heute noch stattfinden. Eine Geschichte mit Happy End.
Das, was wir uns gerade in diesen Zeiten so wünschen. Ein guter Schluss, der uns mit frohem Herzen in den Alltag zurückschickt mit der Gewissheit, es gibt sie doch, die netten Menschen, die einen nicht allein lassen.

Auch nicht, wenn es schon dunkel wird. Wie in der Bibliothek in Tübingen. Haben Sie die Meldung gelesen? Die Polizei musste eine junge Frau befreien, weil sie die Schließung der Bibliothek nicht mitbekommen hatte. Sie sei so vertieft in ihr Buch gewesen, dass alles um sie herum ausgeblendet wurde. Leider, leider hat diese Geschichte einen kleinen Knick im Happy End. Niemand weiß, was diese Frau gelesen hat. Die Polizei konnte es nicht sagen. Ist ja auch nicht ihre Aufgabe, Buchtitel zu vermerken.

Aber faszinierend bleibt, dass sich ein Mensch durch die Phantasie eines Autors so aus dem Alltag rauskatapultieren kann. Ich kenne das von früher: "Die Unendliche Geschichte" war so ein Buch, Harry Potter konnte einen ebenfalls ständig entführen. Wir brauchen diese spannenden und Happy End-Geschichten, die uns auf Reisen schicken. Denn mit ihnen lassen sich dann auch die Meldungen über Corona, Hambach, Stuttgart, USA, Gewalt und all das wieder besser ertragen.

Stand: 23.06.2020, 13:10