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Kommentar: Die Geldmaschine Bundesliga will den Neustart

Leeres Fußballstadion in Mönchengladbach beim "Geisterspiel" gegen den 1. FC Köln

Kommentar: Die Geldmaschine Bundesliga will den Neustart

Von Ferdinand Quante

Abpfiff bei unseren Nachbarn. In Frankreich, Holland und Belgien wird der Spielbetrieb der ersten Fußballliga nicht wieder aufgenommen. Keine Geisterspiele, keine Nachholtermine, Ende der Saison. Bei uns steht eine Entscheidung noch aus. Morgen wird die Politik über die Bundesliga beraten. Soll in einem Land, das weitgehend stillgelegt ist, der Profifußball neu gestartet werden?

Kommentar: Die Geldmaschine Bundesliga will den Neustart

WDR 4 Zur Sache 29.04.2020 02:24 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 WDR 4 Von Ferdinand Quante

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Ich stell' mir grad vor, die Bundesliga würde weitergehen, und zwar nach allen Regeln der Pandemie. Also immer schön Abstand halten auf'm Platz, mindestens einsfünfzig vom Gegenspieler. Völlig neue Konzepte der Raumdeckung würden wir dann erleben. Das heißt, so neu auch wieder nicht, wenn man an Günther Netzer denkt, der seinerzeit meist völlig unbedrängt durchs Mittelfeld trabte und Pässe schlagen konnte, wie er wollte.

Heute trabt keiner mehr, der Spielbetrieb ruht, und die Unruhe wächst. Spielen oder sterben, so etwa sieht es BVB-Chef Watzke. Einen Abbruch der Saison, sagt er, würde die Liga nicht überleben. Jedenfalls nicht in ihrer aktuellen Form, schätze ich mal. Keine Spiele, keine Fernsehgelder, und ohne sie gerät die fette Geldmaschine Bundesliga ins Stocken.

Ein Alptraum für Watzke, ich aber fänd's schön: eine Profiliga, die kein größenwahnsinniges Milliardengeschäft mehr wäre; in der ein einzelner Spieler nicht die Summe kostet, mit der man eine Reihe von Schulen bauen kann. Die Geldströme, die da aktuell fließen, sind nur noch monströs, die Liga droht ja an ihrem Profitzwang zu ersticken. Ein Saisonabbruch wäre tödlich? Ich glaube, er könnte eher heilsam sein.

Der Chef der Fußballiga Seifert spricht auch tatsächlich von Obergrenzen bei Spielergehältern. Nach Corona will er da was tun, aber nicht jetzt, jetzt muss der Betrieb weitergehen. Muss er das? Kinos, Restaurants, Spiel- und Sportplätze sind zu, warum der Bundesliga die Pforten öffnen? Um ein bisschen Entlastung vom Corona-Druck zu gewähren?

Klar, die Baumärkte sind ja wohl hauptsächlich deswegen auf, damit Papi nach wie vor schrauben kann und nicht allmählich wahnsinnig wird, und und wenn dann noch samstags um halb vier Anpfiff ist, wäre Corona ja praktisch wie weggeblasen.

Und genau das ist vielleicht das Problem. Fangruppen sammeln sich an den verschlossenen Stadien, in den Wohnzimmern knubbelt man sich vorm Fernsehgerät. Ob der Neustart der Liga eine zweite Viruswelle verursachen könnte, weiß nicht, aber möglich wär's.

Fußball verbindet. Abstand halten ist da für Fans eher schwer und für die Spieler auf'm Platz leider unmöglich.

Stand: 29.04.2020, 13:10