Kommentar: Über die heilende Kraft des Gärtnerns

Mann bei  der Gartenarbeit

Kommentar: Über die heilende Kraft des Gärtnerns

Von Stephan Karkowsky

Bundespräsident Steinmeier eröffnet heute die Bundesgartenschau in Heilbronn. Die Anwesenheit des Staatsoberhauptes an der Seite des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann unterstreicht die Bedeutung, die die Politik dem Gartenbau beimisst. Stephan Karkowsky weiß auch warum: Gärtnern hält uns gesund!

Kommentar: Über die heilende Kraft des Gärtnerns

WDR 4 Zur Sache 17.04.2019 02:02 Min. WDR 4

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Rund zweieinhalb Stunden braucht man von Düsseldorf aus mit der Bahn nach Heilbronn in Baden Württemberg. Schon steht man inmitten von einer Million Blumen auf der Bundesgartenschau.

Vor zwei Jahren war die BUGA in Berlin: Ich fands toll, nur die weiten Wege sind meist nichts für diejenigen von uns, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß unterwegs sind.

Ich war mit meiner Mutter dort, die wird bald 89. Bis letztes Jahr hat sie noch den eigenen Garten umgegraben. Und bestimmt ist die Gartenarbeit EIN Grund dafür, warum sie im hohen Alter noch so fit ist.

Wir stammen aus einer Gärtnerfamilie: Da ist man traditionell viel draußen. Der grüne Daumen ist quasi angeboren. Weil im Garten immer viel mit Scheren, Messern und Hacken gearbeitet wird, mir scharfen Spaten und dornigen Pflanzen, sind Schnittverletzungen ganz normal.

Meine Großmutter sagte immer: Wenn der Daumen blutet, steck ihn in die frische Erde, die macht ihn wieder heil. War noch Erde an den Erdbeeren, hieß es: Macht nix, Dreck reinigt den Magen!

Viel später entdeckte die Wissenschaft: Das stimmt! Manche Erden enthalten Magnesium und Aluminium, beides ist gut gegen zu viel Magensäure. Und die vielen Mikroben und Keime in der Erde trainieren unser Immunsystem. Wenn sie jemals mit Fango ihr Rheuma bekämpft haben: Bitteschön, Fango ist das italienische Wort für Schlamm, also: schmierige Erde. Innerlich angewendet hilft Heilerde gegen Sodbrennen und Durchfall.

Als Dorfkind kann ich allen Stadteltern nur raten: Schicken Sie Ihre Kinder und Enkel aufs Land! Lassen Sie sie im Dreck spielen. Bringen Sie Ihnen bei, wie man im Herbst die Kartoffeln aus der Erde holt. Gönnen Sie Ihnen den Spaß, feuchte Schweinenasen anzufassen und geben Sie Ihnen die Möglichkeit, zu gärtnern und zu ernten.

Die Reise auf eine Bundesgartenschau kann dabei ein Aha-Erlebnis auslösen. Oft aber hilft bereits der Besuch in einem Gartencenter. Und die Erfahrung, aus einem kleinen Topf auf dem Fensterbrett im Kinderzimmer eine riesige Bohnenpflanze wachsen zu sehen.

Stand: 17.04.2019, 13:10