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Kommentar: Frühlingserwachen

Krokusse auf einer Wiese

Kommentar: Frühlingserwachen

Von Irene Geuer

Heute ist ein besonderer Tag auf der Nordhalbkugel unserer Erde, also auch bei uns. Tag und Nacht sind genau gleich lang und das bedeutet: Frühlingsanfang. Und die Wetteraussichten bestätigen das, heute ist es schon wärmer und in den nächsten Tagen soll es schön werden. Also – Grund zum Freuen. Wir könnten ein Fest daraus machen, wie in früheren Jahrhunderten. Passiert aber nicht, es ist für viele von uns einfach nur der 20. März.

Kommentar: Frühlingserwachen

WDR 4 Zur Sache 20.03.2019 01:59 Min. WDR 4

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Was haben sich die Menschen früher gefreut, als der Frühling anfing. Wir können uns das heute kaum vorstellen, wie erleichtert alle waren, den Winter überstanden zu haben. Fackelzüge gingen durch die Dörfer, man nannte das auch Saatwecken. Die Kinder bastelten Blumen, es wurden Plätzchen gebacken, die Sonnenräder hießen. Bunt geschmückte Umzüge fanden statt und Tanzfeste. Alles, um die Freude zu zeigen, dass der Winter, der böse Mann, endlich vertrieben war.

Ok, diese Bräuche stammen aus Zeiten, da man noch mit dem Dreschflegel zugange war, da der Winter tatsächlich eine große Bedrohung darstellte, wenn er zu lange dauerte. Heute ist das alles anders, meinen wir.

Ist ja auch so. Heute stellen wir einfach die Zentralheizung ein bisschen höher, wenn es draußen noch zu kalt ist. Wir müssen nicht aufs Schafe scheren warten, bis wir einen neuen Pullover bekommen. Heute brauchen wir uns um Lebensmittel keine Sorgen zu machen, im Gegenteil: 18 Millionen Tonnen sind allein 2017 im Müll gelandet. Also brauchen wir auch kein Fest, keine gebastelten Blumen, keine außergewöhnliche Freude an einem 20. März.

Wenn ich aber nur die Nachrichten der vergangenen Tage lese, die da heißen: Die Schmetterlinge werden weniger, die Vögel in Nordrhein-Westfalen ebenso und die Bienen haben immer größere Probleme, dann ist klar, so selbstverständlich funktioniert da draußen doch vieles nicht mehr. Jede Zeit hat ihre Themen. Heute ist es nicht mehr der harte, sondern der zu warme Winter. Wenn die Menschen früher froh über die Schneeschmelze waren, gruselt es uns heute, wenn wir nur mal auf die Gletscher schauen, die immer kleiner werden.

Also, könnten wir es doch ähnlich angehen wie die Menschen damals. Direkt vor der Haustür. Blumen pflanzen, die nicht nur schön aussehen, sondern Insekten Nahrung liefern. Plastikmüll im Park sammeln, auch wenn die Städte nicht gerade zu Putzaktionen im Grünen aufrufen. Und, und, und ...

In Urzeiten hat man geglaubt, dass der 20. März der Tag der Welterschaffung sei. Das lässt sich weiterdenken. Und Rezepte für die frühlingshaften Sonnenradplätzchen gibt es heute noch – im Internet.

Stand: 20.03.2019, 13:10