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Zerstörung in der Ukraine

Kommentar: Früher ging das Schlimme wenigstens noch weg

Stand: 06.04.2022, 13:10 Uhr

Es gibt Leute, die hören keine Nachrichten mehr und lassen die Tagesschau weg: zu viel Elend, zu viel Tod, und ein Ende ist nicht in Sicht. Der Krieg in der Ukraine geht weiter, Corona auch und die Klimakatastrophe ja sowieso. Die Welt, so scheint es, ist düsterer geworden. In schwachen Momenten mag man sich da die alten Zeiten zurückwünschen, mit Krisen, die uns heute vergleichsweise klein erscheinen.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Früher ging das Schlimme wenigstens noch weg

WDR 4 Zur Sache 06.04.2022 01:54 Min. Verfügbar bis 06.04.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Beim Aufräumen im Keller begegnete mir gestern Lady Di. Eine vergilbte Zeitungsseite zeigte ihr Bild und ein Autowrack, und wenn ich die Schlagzeile richtig verstanden habe, war Lady Dis Unfalltod so ziemlich das Schlimmste auf Erden überhaupt. Putzig, oder?

Ich meine, wenn das Ableben einer Adligen als Megakatastrophe galt, na, dann müssen die Katastrophen damals doch sehr erträglich gewesen sein. Vielleicht stimmt das wirklich. Die Ölkrise 1973 zum Beispiel. Unser Wohlstand war in höchster Gefahr, aber dann kamen bloß vier autofreie Sonntage, Sprit und Heizöl wurden etwas teurer, und das Leben ging wie gehabt weiter.

Und so auch Mitte der 90er Jahre: Rinderwahnsinn, als plötzlich halb durchgebratenes Fleisch von Kuh und Kalb des Teufels war, einen Sommer lang, dann – ich weiß nicht mehr, warum – hatte sich’s auch damit schon wieder.

Und was anderes angeblich Superschlimmes kam hinterher. Beim Jahrtausendwechsel sollten weltweit die Computer kollabieren, die Angst vor Handystrahlung war eine Zeitlang das große gruselige Ding, genau wie beißwütige Kampfhunde, es gab Schlagzeilen ohne Ende.

Ja, blutige Kriege gab es auch, im zerfallenen Jugoslawien, der Völkermord in Ruanda, aber irgendwie war das alles eher fern von uns und ging vorbei. Jetzt ist das Schlimme nah und will nicht weichen: Klimakatastrophe, Corona, Ukraine-Krieg samt Weltkriegsgefahr.

Was lese ich da heute: Riesiges Passgieraufkommen an deutschen Flughäfen vor Ostern erwartet. Wegfliegen, vielleicht auch als Flucht vor den dauerdunklen Nachrichten.

Auch wenn Fliegen die Umwelt versaut – verstehen kann ich die Leute schon.