Live hören
Jetzt läuft: Reigen aus: Peterchens Mondfahrt von Salonorchester Cölln
Waffenforderung Ukraine

Kommentar: Frieden schaffen ohne Waffen?

Stand: 23.03.2022, 13:10 Uhr

Im Bundestag wurde heute über die 100 Milliarden Euro Sonderbudget debattiert, die die Ampelkoalition der Bundeswehr versprochen hat. Ein Bündnis aus Prominenten und Wissenschaftlern protestiert gegen diese Mehrausgaben mit einem Appell im Internet. Unterzeichnet haben unter anderem die Schauspielerinnen Katja Riemann und Corinna Harfouch, der Verleger Jakob Augstein und der Grünenpolitiker Hans-Christian Ströbele. Stephan Karkowsky kommentiert.

Von Stephan Karkowsky

Kommentar: Frieden schaffen ohne Waffen?

WDR 4 Zur Sache 23.03.2022 01:55 Min. Verfügbar bis 23.03.2023 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


Download

Frieden schaffen ohne Waffen! Was für ein toller Slogan! Dafür war ich auch 1981, Bonner Hofgarten: 300.000 demonstrierten damals gegen Aufrüstung. Für uns war es Irrsinn, ein Heidengeld auszugeben für Atomraketen mit Overkill-Potential – es gab so viele, wir hätten die Welt damit mehrfach vernichten können.

Von daher habe ich Verständnis für alle, die zwar Putins Angriffskrieg verurteilen, aber Waffenlieferungen und jede Art von Aufrüstung ablehnen. Ich verstehe ihr Unbehagen. Aber leider beruht es auf dem Grundsatz: Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Denn machtbesessene Eroberer wie Putin verstehen nur die Sprache der Stärke. Hätte er die Ukraine für militärisch unbesiegbar gehalten, er wäre nicht einmarschiert. Also müssen wir das Abschreckungspotential weiter erhöhen. Das haben nun sogar die Grünen in der Bundesregierung verstanden.

Klar: Ein 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr kann den Krieg gegen die Ukraine nicht beenden. Aber es verbessert die deutsche Verteidigungsbereitschaft und damit die der NATO. Denn auf die USA sollte sich in Europa niemand mehr verlassen. 2025 könnte Joe Biden durch Donald Trump abgelöst werden. Und ob Trump der Schutz der kleinen Baltikumstaaten einen Krieg mit Russland wert wäre, darf bezweifelt werden.

Vor knapp 40 Jahren habe ich den Kriegsdienst verweigert. Mein Glaube an eine friedliche Welt ohne Waffen war grenzenlos. Heute glaube ich: Zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie brauchen wir eine einsatzbereite Bundeswehr und eine interventionsfähige NATO. Natürlich bleibt Diplomatie das Mittel erster Wahl zur Vermittlung in Konflikten. Aber Diplomatie war schon immer erfolgreicher aus einer Position der Stärke heraus.