Kommentar: Endlich wieder WM-Fieber!

Ein Fussball spiegelt sich im Auge eines weiblichen deutschen Fussballfans

Kommentar: Endlich wieder WM-Fieber!

Von Jörg Brunsmann

Haben Sie es schon gemerkt? Es ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Nein, nicht die Männer spielen – in diesem Jahr sind die Frauen dran. Die ja in der Vergangenheit oft sehr erfolgreich gespielt haben und diesmal bei der Vergabe des Titels auch ganz oben mitspielen könnten. Trotzdem – die Stimmung ist eine ganz andere als im letzten Jahr, bei der Fußball-WM der Herren. "Warum ist das so?", fragt sich Jörg Brunsmann.

Kommentar: Endlich wieder WM-Fieber!

WDR 4 Zur Sache 07.06.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 06.06.2020 WDR 4

Download

Jetzt geht’s los! Jetzt geht’s los! Überall in den Städten sieht man wieder Autos mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen, jeden zweiten Tag gibt es in der Innenstadt Public-Viewing und in Berlin wird schon die Fanmeile aufgebaut – wo man dann den Titel feiern kann. Oder zur Not eben Platz 3.

Ach nee, ich hab da gerade was verwechselt. In diesem Jahr sind ja die Frauen mit der Fußball-Weltmeisterschaft dran. Und so richtige Begeisterung kommt da nicht auf. Fragen Sie mal rum im Bekanntenkreis, welches Land überhaupt die WM ausrichtet. Die richtige Antwort, Frankreich, kennen nur die wenigsten, wetten?

Ach übrigens: Sammelbilder und Stickeralben wie bei den Männern gibt es auch. Weiß ich aber nur, weil ich Google befragt habe; im Laden habe ich die Aufkleber noch nicht gesehen. Warum ist das so?

Ich hab einen Verdacht. Für die Männer ist Fußball eine der letzten Bastionen, wo sie ungestört die Sau rauslassen können. Bier trinken bis zum Abwinken, Grillwürstchen und rumgrölen, um den Gegner mit Worten niederzumachen. Alltag in vielen Bundesligastadien. Dazu kommt: Männer wollen Männern zujubeln. Fußball ist noch immer Volkssport Nummer Eins.

Und viele kleine Jungs träumen davon, als Fußballspieler Karriere zu machen. Wenn sie dann als Erwachsene statt auf dem Rasen doch nur auf der Tribüne stehen, wollen sie wenigstens das Gefühl haben: Das da unten könnte auch ich sein.

Und die Frauen selbst? Könnten doch auch die Autos schmücken, Public-Viewing organisieren oder Fan-Clubs aufmachen und selbst für Begeisterung sorgen. Aber kann es sein, dass vielen der Fußball ganz einfach egal ist? Dass sie vielleicht sogar erkannt haben: Es ergibt Sinn, die Männer ins Stadion ziehen zu lassen, damit sie sich in der Fankurve austoben können. Wer auf der Tribüne rumgrölt, hat weder Kraft noch Lust, auch noch zuhause Randale zu machen.

Der Fußball als Ventil für zu viel Testosteron. Muss uns das ärgern, dass es so ist? Ich finde: Nein. Klar, es gibt einige Sachen, die im Vergleich zwischen Männer- und Frauen-Fußball ziemlich unfair sind. Zum Beispiel, dass bei den Männern viel mehr Geld im Spiel ist. Was den Spielern eine ganz andere Ausstattung und auch bessere Trainingsmöglichkeiten erlaubt. Das sind Sachen, bei denen die Fußballverbände es in der Hand haben; da könnte und sollte man nachbessern. Aber öffentliche Begeisterung, die kann man nicht kaufen und nicht anordnen. Und das ist auch gut so.

Stand: 07.06.2019, 00:00