Ein Weihnachtsbaum steht im zerstörten Flutgebiet

Kommentar: Fluthilfe – hier muss ordentlich gehandelt werden!

Stand: 05.01.2022, 13:10 Uhr

Das neue Jahr soll gut anfangen, das wünschen wir uns alle. Aber bei so vielen ist derzeit Geduld nötig. Die Auszahlung der Wiederaufbauhilfen für diejenigen, die im Juli-Hochwasser vieles oder sogar alles verloren haben, die kommt nur schleppend voran. So liest sich jedenfalls ein Mitarbeiterschreiben der Kölner Bezirksregierung. Geht gar nicht, sagt Irene Geuer in ihrem WDR 4-Mittagskommentar.

Von Irene Geuer

Kommentar: Fluthilfe – hier muss ordentlich gehandelt werden!

WDR 4 Zur Sache 05.01.2022 01:41 Min. Verfügbar bis 05.01.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Ist eigentlich den Politikerinnen und Politikern hier im Lande klar, welche Auswirkungen es hat, Flutopfer monatelang warten zu lassen? Diese zermürbende Zeit, ein Weihnachten und einen Jahreswechsel mit dem Trocknungsgerät zu verbringen, wenn denn überhaupt eines zu kriegen war, das kann sich jeder vorstellen. Oder anders gesagt, das will sich eigentlich niemand vorstellen, weil es wirklich schlimm ist.

Alles zu verlieren, ist schon bitter. Aber dann nach einem riesig lauten und aufsehenerregenden Polit-Tourismus in die Flutgebiete, plötzlich die Stille von Nichts – das sorgt dafür, dass genau diese Politikerinnen und Politiker nicht mehr ernst genommen werden. Und nicht nur sie, bei solchen Dingen werden alle anderen auch schon mal in Sippenhaft genommen.

Als hätten die Menschen nicht schon genug Malesche und Last mit der Pandemie, da müssen jetzt auch noch die Mühlen der Bürokratie im Zeitlupentempo mahlen? Ich habe Beamtinnen in meinem Bekanntenkreis, die in solchen Fällen sagen: Es muss ja auch alles seine Ordnung haben. Und dieser Satz macht mich mittlerweile wütend. Weil: Wo muss es denn seine Ordnung haben? Allein in den Tabellen der Ämter? Oder auch und vor allem in den Wohn- und Kinderzimmern der Menschen, die eine furchtbare Flut miterleben mussten? Eine Flut, vor der möglicherweise nicht ordnungsgemäß gewarnt wurde. Das ist ja auch noch so ein Thema…

Wenn es bei der Landtagswahl am 15. Mai eine ordentliche Wahlbeteiligung geben soll, dann sollten alle Politikerinnen und Politiker in Nordrhein-Westfalen ordentlich dafür sorgen, dass den Flutopfern schnell und unbürokratisch Geld zukommt. Denn nur das ist unter einer ordentlichen Hilfe zu verstehen.