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FfF – Sie sind wieder da

Künstler vor einer Weltkugel

FfF – Sie sind wieder da

Von Irene Geuer

Heute ist Freitag und ein Ritual erwacht wieder – trotz Corona – ein junges Ritual: Fridays for Future geht wieder auf die Straße. Der Klimaprotest hat in diesem Jahr ja oft nur Online in der virtuellen Welt stattgefunden. Aber jetzt sind die vielen – vor allem junge Menschen wieder auf unseren Straßen sichtbar. Mehr als 100 Aktionen stehen an. Tausende Teilnehmer haben sich angemeldet. Gut so, sagt WDR 4-Autorin Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Kommentar: FfF – Sie sind wieder da

WDR 4 Zur Sache 25.09.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 25.09.2021 WDR 4 Von Irene Geuer

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Hey, da sind sie ja wieder. Das freut mich. Überall im Land heute Demonstrationen für ein besseres Klima. Kleinere Demos, als wir das von Fridays for Future kennen. Das ist eben der Pandemie geschuldet. Eine riesengroße Demo zeigt zwar sehr eindringlich, wie viele junge Leute in Sachen Klima engagiert sind. Aber in kleineren Aktionen in Aachen oder Duisburg kann man die Infektionsgefahr besser vermeiden. Und ich hoffe sehr, dass die jungen Leute es gut organisiert haben. Aber dafür sind sie eigentlich bekannt. Also mache ich mir keine Sorgen.

Die mache ich mehr eher ums Klima. Und es ist richtig, was die Demonstrierenden sagen: "Wir können die eine Krise nicht abwarten, um dann die andere in Angriff zu nehmen." Das muss gleichzeitig laufen. Ehrlich gesagt, Klimaverbesserungen hätten schon sehr viel früher in Angriff genommen werden müssen. Gerade macht bei Twitter eine Tagesschausendung vom 17.3.1995 die Runde. Und da wird gesagt, dass der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung einen Bericht an die damalige Umweltministerin Angela Merkel übergeben hat. In dem stand: Wenn weiterhin gleiche Mengen an CO2 in die Atmosphäre gelangen, dann wäre ein Gegensteuern in rund 25 Jahren nicht mehr möglich. Ja, das wurde vor 25 Jahren gesagt. Und jetzt sind wir genau an dem Punkt, vor dem die Wissenschaftler damals so eindringlich gewarnt haben.

Das ist erschreckend. Und umso wichtiger, dass Fridays for Future und die vielen anderen Umweltgruppen auf die Straße gehen, um das sichtbar zu machen, was wir alle seit vielen Jahren wissen und trotz trockener Sommer, trotz Baumsterben, trotz rasant schmelzender Gletscher ignoriert haben.

Es muss jetzt wirklich losgehen. Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob z.B. Kohlegewinnung noch wirklich bis 2038 laufen soll. Das Klima kennt keine Fristen und wartet nicht, bis wir soweit sind. Wir brauchen Politiker, die schneller handeln, die neue Technologien unterstützen und Menschen gut versorgen, die durch den Wandel in der Industrie arbeitslos werden können. Die Kommunalwahl in NRW hat gerade gezeigt, das wichtigste Thema für die Menschen ist das Klima. Jetzt müssen Taten folgen. Denn wenn nicht jetzt, dann wann? Die Erde braucht uns nicht, aber wir sie.

Ich habe Euch vermisst, ihr jungen, bunten, wild entschlossenen Klimakämpfer.

Stand: 25.09.2020, 13:10