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Kommentar: Volksentscheid zum Feuerwerk?

Feuerwerk beim Japantag in Düsseldorf

Kommentar: Volksentscheid zum Feuerwerk?

Von Irene Geuer

Die Deutsche Umwelthilfe ist ein sehr rühriger Verein, der gerne Schlagzeilen macht. Gestern hat die Umwelthilfe vor Gericht durchgesetzt, dass die Stadt Aachen prüfen muss, ob Dieselfahrverbote für bessere Luft in der Innenstadt sorgen. Und gleichzeitig ist die DUH schon am nächsten Thema dran: Feuerwerk. Der Vorschlag: Städte mit viel Feinstaub sollen private Böllerei an Silvester verbieten.

Kommentar: Volksentscheid zum Feuerwerk?

WDR 4 Zur Sache 01.08.2019 02:02 Min. Verfügbar bis 31.07.2020 WDR 4

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Kann man das Thema Feuerwerk rein pragmatisch sehen? Nein. Sonst wäre es nie auch nur ein einziges Mal abgebrannt worden. Würde man es pragmatisch sehen, wäre sofort klar, das muss aufhören. 100 Millionen Euro in ein, zwei Stunden zu pulverisieren, völliger Irrsinn. In derselben Zeit 16 Prozent des jährlichen Feinstaubaufkommens zu produzieren, Wahnsinn.

Und doch ist das Feuerwerk jedes Jahr ein Verkaufsknaller. Sobald die Werbung draußen ist, rennt auch ein Großteil meines Freundeskreises zum Supermarkt, um sich für die Nacht der Nächte einzudecken. Feuerwerk ist mehr als Pappröhre plus Schwarzpulver. Es verzaubert. Unsere Blicke in die Weite des Himmels entführt. Am Firmament sehen wir in den bunten Farben, die uns die Böller malen, auch unsere Wünsche und unsere Hoffnungen für das kommende Jahr. Der Lärm vertreibt das Böse. Das hat Tradition: Schon die alten Germanen haben mit Feuer und Lärm Dämonen vertrieben.

Der Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe, feinstaubbelastete Städte sollten aufs Böllern verzichten, ist ein Kracherthema in den sozialen Medien. Die Feuerwerkfreunde verteidigen heftig ihre Raketen. Aber es gibt viele andere. Wenn Sie selbst einen Hund haben, dann wissen Sie: Tiere können der Knallerei an Silvester nichts abgewinnen. Ausnahme: Der Hund der alten Dame in meiner Nachbarschaft, der ist taub. Aber sie selbst sagt, dass sie das Knallen, besonders dieses vor Mitternacht, das unvermittelte, immer noch an Kriegsbomben erinnert. Geht nicht weg, sagt sie.

Asthmatiker und auch Naturschützer geben wahrscheinlich dem Siegburger Bürgermeister Recht. Der hat in einem offenen Brief gefordert, Feuerwerk per se zu verbieten. Mit noch einem zusätzlichen Argument: Die vielen Feuerwerk-Verletzten. Damit hätten wir eigentlich genug für ein bundesweites Verbot.

Und doch würde ich es so nicht tun. Wenn Städte Feuerwerk verbieten, dann sind das wieder "die da oben", die uns das Leben vermiesen. Ich würde abstimmen lassen. Bundesweit. Um herauszufinden, was wir tatsächlich wollen. Feuerwerk ist ein Thema, über das wir nicht die Politik entscheiden lassen müssen. Es braucht nur uns selbst. Und ich wäre total gespannt, was rauskäme: Weiter Feuerwerk oder steigen wir aus? Das wäre dann wohl ein Fexit …

Stand: 01.08.2019, 13:10