Kommentar: Vorbild Feuerwehr – Mut zur Gelassenheit

Mehrere hundert Menschen demonstrieren gegen Sexismus und Diskriminierung für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung in Berlin

Kommentar: Vorbild Feuerwehr – Mut zur Gelassenheit

Von Jörg Brunsmann

Der Sturm gestern war wirklich nicht ohne. Im Sauerland ist ein Mensch ums Leben gekommen; viele Bäume, Straßenschilder oder Baustellenzäune sind umgeweht worden; dazu am Morgen Schnee und Graupel fast überall im Land. Und natürlich die Deutsche Bahn, die den Verkehr in NRW zeitweise fast komplett eingestellt hat. Für viele Menschen ein Grund, sich aufzuregen. Muss aber gar nicht sein, findet Jörg Brunsmann. Und er hat auch gleich passende Vorbilder parat

Kommentar: Vorbild Feuerwehr – Mut zur Gelassenheit

WDR 4 Zur Sache 11.03.2019 01:54 Min. WDR 4

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"Komm mal schnell, das muss du dir angucken!" Meine Frau war schon ein bisschen aufgeregt über das, was sie da gestern Nachmittag gesehen hat. Gleich drei Bäume in der Nachbarschaft hatte es erwischt. Einer ist fast komplett umgefallen und hatte Teile des Bürgersteigs blockiert, von den anderen sind große Äste abgebrochen. Bloss gut, dass niemand drunterstand.

"Da sollten wir die Feuerwehr anrufen; bleiben kann das so jedenfalls nicht." Sie hatte das Handy gerade in der Hand, da bog der Feuerwehrwagen auch schon um die Ecke; hatte wohl schon jemand anderes angerufen. Fünf Männer in Schutzkleidung stiegen aus, sicherten zuerst den Einsatzort rund um die umgestürzten Bäume. Und fingen dann an, – zügig aber ohne Hektik – die Äste kleinzusägen und von der Straße zu räumen.

Keine halbe Stunde und die Sache war erledigt. Dafür erst mal ein dickes "Dankeschön". Gerade bei den Feuerwehren, beim Roten Kreuz, den Maltesern, Johannitern und beim Technischen Hilfswerk sind es ja oft freiwillige Helferinnen und Helfer, die ihre Freizeit dafür opfern, dass, zum Beispiel nach einem Sturm, kein komplettes Chaos ausbricht.

Was mich aber auch beeindruckt hat: Dass hier alle Handgriffe saßen, dass der Job schnell erledigt war, ohne dass jemand hektisch wurde oder gar in Panik ausbrach. Mit dem Ausnahmezustand so umgehen, als wäre es das Normalste der Welt.

Kann nicht jeder. Heute morgen der Berufsverkehr. Die Bahn hat noch immer enorme Probleme, also ist es auf den Straßen ungewöhnlich voll. Da war von Professionalität aber nicht viel zu spüren. Ein Gehupe und Gedrängele, so extrem, wie man es sonst nur selten erlebt. Vielen Autofahrern hat man direkt angemerkt, wie nervös sie waren; viele hatten offenbar regelrecht Angst, ein paar Minuten zu spät ins Büro zu kommen. Obwohl der Chef wahrscheinlich gerade im gleichen Stau festhängt.

Wirklich – wir sollten uns öfter mal ein Beispiel an denen nehmen, die jeden Tag mit Extremsituationen umgehen müssen. Und das eben ohne Angst, ohne Drängeln und Hupen machen. Ich finde, die Feuerwehr in meiner sturmgeplagten Nachbarschaft war da ein hervorragendes Beispiel.

Stand: 11.03.2019, 13:10