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Kommentar: Feste feiern, wie sie fallen!

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Kommentar: Feste feiern, wie sie fallen!

Von Irene Geuer

Ist das eigentlich wirklich schön? Heute ist der 11.11., aber schon gestern waren so viele hier in unserem Land trunken vor Feierfreude und Bier. Wie z.B. in Aachen oder in Mönchengladbach. Den Karnevalsauftakt einfach vorverlegt, weil Sonntag war, die Menschen frei und Zeit hatten. Feiern, wann es uns gut in den Kram passt. Und nicht mehr Feste feiern, wenn sie fallen. Irene Geuer hat den Gedanken mal weitergesponnen.

Kommentar: Feste feiern, wie sie fallen!

WDR 4 Zur Sache 11.11.2019 02:05 Min. Verfügbar bis 10.11.2020 WDR 4

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Haben Sie bitte kein schlechtes Gewissen, wenn Sie schon gestern gefeiert haben. Ich will Ihnen nicht ans Zeug flicken. Es sei Ihnen gegönnt. Aber ich bin sehr dafür, dass das nicht Schule macht. Weil wir uns dann vielleicht gar nicht mehr auf den Marktplätzen treffen und zusammen feiern. Weil es jeder anders machen will. Der Trend dazu hat leider schon begonnen. Und das nicht erst gestern.

In den Niederlanden hat ein Unternehmer sämtliche Feiertage für seine Mitarbeiter abgeschafft. Stattdessen gibt er ihnen sieben zusätzliche Urlaubstage. Die Mitarbeiter können selbst entscheiden, ob sie an Pfingsten frei haben oder am Schreibtisch sitzen.

Ist doch super, sagt eine junge Kollegin zu mir. Dann müsste ich nicht mehr am Ostersonntag zum Familientreffen. Richtig, sie hätte eine gute Ausrede. Die Kollegin findet dieses Zwangsfrei am Feiertag doof. Sie will ihr Leben individuell gestalten. Ich wäre sehr gespannt, ob sie damit glücklich würde, wenn es tatsächlich keine Feiertage mehr gäbe.

Oder bin ich einfach zu alt, um die neuen Zeichen der Zeit gut zu finden? Ich gehöre ja noch zu denen, die ihr Jahr nach Obst- und Gemüsesorten einteilen. Bei uns zu Hause gibt es die Erdbeer- und auch die Spargelzeit. Danach Kirschen, Kürbis oder in den Monaten mit "R" am Ende Miesmuscheln. Lecker, in Sud mit Schwarzbrot. Jetzt ist genau die Zeit dafür. Das könnte man auch als Zwangsernährung sehen, wenn es nach der jungen Kollegin geht. Ich finde das prima. Und mit den Festen ist es bei mir ähnlich. Sie teilen das Jahr ein und sie sind geradezu ideal, um Traditionen und Freundschaften zu pflegen. Die meisten haben frei. Wir müssen uns nicht mehr über das Wann unterhalten, sondern nur darüber, ob wir uns treffen.

Was würde daraus, wenn wir alles immer weiter individualisieren und dann zum Beispiel feste Ferienzeiten abschaffen. Jeder führe, wann er wolle. Die Kinder bekämen Individuallehrpläne, der Klassenverband würde aufgelöst. Gemeinschaft fände nicht mehr statt. Hoch lebe das Ich! Nein. Ich bin nicht zu alt, ich bin einfach nur dem "Wir" verbunden. Und ich hoffe sehr, dass wir uns weiter diesem wunderbaren Diktat der vorgegebenen Freizeit hingeben. Karneval am 10.11. muss die Ausnahme bleiben und bitte nicht der Anfang sein von etwas, das uns nicht mehr zusammenbringt.

Stand: 08.11.2019, 13:10