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Kommentar: Der Fahrtauglichkeitstest wird nicht kommen

Ein älterer Herr blickt beim Autofahren in seinen Rückspiegel

Kommentar: Der Fahrtauglichkeitstest wird nicht kommen

Von Ferdinand Quante

Die Reaktionszeit nimmt mit den Jahren ab, die Zahl der Tabletten, die man täglich nehmen muss, nimmt im Alter oft zu. Beides ist schlecht, wenn man Auto fährt. In Portugal hat man daraus Konsequenzen gezogen: Schon ab 50 müssen sich dort Autofahrerinnen und Autofahrer einem Fahrtauglichkeitstest unterziehen, in Griechenland und Kroatien ab 65 Jahren. Bei uns gilt: Freie Fahrt forever. Aber sind tatsächlich vor allem ältere Verkehrsteilnehmer ein Risiko?

Kommentar: Fahrtauglichkeitstest wird nicht kommen

WDR 4 Zur Sache 20.09.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 20.09.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Wenn mir auf der Autobahn einer an der hinteren Stoßstange klebt, wenn er die Scheinwerfer aufblitzen lässt und vielleicht obendrein noch hupt, dann kann der Kerl – es sind meistens Kerle – alles mögliche sein: wahnsinnig, gewissenlos, mörderisch oder sonst etwas, nur eins ist er nicht: über siebzig.

Ältere Herrschaften drängeln nicht, habe ich jedenfalls noch nie erlebt. Die rasenden Rüpel sind meist jung bis mittelalt. Was nicht heißt, dass die Älteren durch die Bank vorbildliche Fahrerinnen und Fahrer wären. Manchmal schleichen sie über die Autobahn, und das verleitet andere zu plötzlichen Überholmanövern, was bei schnellem, dichtem Verkehr auch nicht ganz ungefährlich ist.

Man kann darüber streiten, wie gut oder schlecht ältere Leute Auto fahren, aber es ist wohl klar: Die Fahrleistungen werden mit den Jahren nicht besser, um es vorsichtig zu sagen. Brenzlige Sache nämlich. Wenn es ums Autofahren geht, hält sich so gut wie jeder – jeder Mann – für gut bis unschlagbar in alle Ewigkeit. Aber bitte, warum das nicht in einem kleinen Test bestätigen? In Spanien wird ab 65 Jahren alle fünf Jahre die Fahrtauglichkeit überprüft.

Bei uns nicht und wohl auch niemals. Erstens möchten die zuständigen Politiker die große Wählerschar der Senioren nicht verprellen. Zweitens wollen VW, Mercedes, BMW und Co. den oft gut betuchten Rentnerinnen und Rentnern uneingeschränkt Autos verkaufen. Und drittens ist das Thema Fahrtauglichkeit sowieso vom Tisch, sobald Autos autonom fahren.

Bis dahin gilt: Ein jeder prüfe sich selbst. Und es ist schon klar, was dabei rauskommt. Vor allem bei uns Männern.

Stand: 20.09.2021, 12:56