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Kommentar: Entscheidend ist auf der Intensivstation

Ein Intensivpfleger ist auf einer Covid-19 Intensivstation

Kommentar: Entscheidend ist auf der Intensivstation

Von Ferdinand Quante

Angekündigt wurde sie schon vor Wochen, jetzt ist sie da, die dritte Welle – knapp 30.000 Corona-Infizierte meldete das Robert-Koch-Institut heute. Und diese Zahl bedeutet ja vor allem, dass es auf den Intensivstationen unserer Kliniken noch voller wird. Wer jetzt vielleicht glaubt, das alles ginge ihn nichts an, könnte sich womöglich täuschen.

Kommentar: Entscheidend ist auf der Intensivstation

WDR 4 Zur Sache 15.04.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 15.04.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Der Frühling lockt, die Ungeduld steigt. Endlich wieder loslegen, ohne Beschränkungen, bevor der Lockdown zum Knockout wird. So viele Leute können nicht mehr, der Wunsch nach Öffnung und Freiheit ist dramatisch, aber das wahre Drama bahnt sich in den Kliniken an.

Man muss ja nur in die Gesichter der Pflegekräfte blicken, die jetzt in den Nachrichtensendungen immer häufiger gezeigt werden. Nichts als Erschöpfung ist zu sehen, der Knockout scheint da wirklich nicht mehr fern. Und obendrein geht auf den Intensivstationen die Angst um. Was, wenn das vorletzte Bett belegt ist, wenn der Arzt entscheiden muss, wer das letzte Bett bekommt und wer leider nicht?

Eine große Zahl von Infizierten ist schlimm. Wenn manche von ihnen sterben, ist das noch schlimmer. Das Schlimmste aber wäre, wenn schwererkrankte Corona-Patienten nicht mehr behandelt werden könnten. Genau davor hat sich vor allem die Bundeskanzlerin schon am Anfang der Pandemie gefürchtet, das war und ist ihre größte Angst, die Angst vor einem tödlichen Zusammenbruch des Gesundheitssystems.

Wir stehen kurz davor, rund 30.000 Infizierte an einem Tag sind ein düsterer Hinweis. Ich weiß nicht, ob unsere Ungeduld da noch zählt. Manche drängen ja auf ein Ende des Lockdowns, und wer sagt, das Drama in den Kliniken gehe ihn nichts an, sollte sich das noch mal überlegen und dabei ganz egoistisch denken.

Was nämlich, wenn er plötzlich in die Klinik käme – Fahrradunfall, Herzattacke, was auch immer – und kein Bett wäre mehr frei? Ich jedenfalls möchte das lieber nicht erleben.

Stand: 15.04.2021, 13:10