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Kommentar: Entschädigung für Hausarbeit

Eine Frau putzt die Fenster

Kommentar: Entschädigung für Hausarbeit

Von Irene Geuer

Nordrhein-Westfalen - das Bundesland mit den meisten Eheschließungen, aber auch das Land mit den meisten Scheidungen - aufgepasst! Da gibt es ein interessantes Urteil aus China. Dort ist in einem Scheidungsverfahren der Ehemann dazu verdonnert worden, nicht nur das Vermögen zu teilen und Unterhalt fürs Kind zu leisten. Er soll auch die in den Ehejahren geleistete Hausarbeit seiner Ehefrau bezahlen. Das hat was, sagt WDR 4-Autorin Irene Geuer.

Kommentar: Entschädigung für Hausarbeit

WDR 4 Zur Sache 26.02.2021 01:49 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


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Wir leben im 21. Jahrhundert, forschen an künstlicher Intelligenz, wir lassen Raumsonden zum Mars fliegen und gleichzeitig gibt es immer noch die Unterschiede in der Hausarbeit von anno pief. Umfragen in dieser Corona-Zeit haben es wieder gezeigt. Meistenteils sind es die Frauen, die den Feudel schwingen und die Kinder betreuen. Da die Männer immer noch in der Regel auf dem Arbeitsmarkt mehr verdienen, ist das eigentlich auch kein Wunder.

Aber da kommt nun dieses chinesische Urteil ins Spiel, das sagt: Hausarbeit hat einen Wert. Die Richter haben zwar keinen sehr hohen Preis angesetzt. Aber das Prinzip geht in die richtige Richtung. Ich stelle mir vor, wie das in einer Beziehung funktionieren könnte. Natürlich bräuchte es einen Tarif und damit eine Hausfrauengewerkschaft. Oder Hausarbeitendengewerkschaft, es gibt ja auch Hausmänner, seltene Exemplare, aber ich will sie nicht verschweigen. Diese Gewerkschaft müsste Krankengeld, Rentenansprüche und Wochenendzuschläge erkämpfen, natürlich auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Sollten sich die aushäusig Berufstätigen über einen längeren Zeitraum unsozial zeigen und z.B. renitent Socken rumfliegen lassen oder Zahnpastareste im Waschbecken nicht wegspülen, dann muss es die Möglichkeit des Streiks geben. Hausarbeitende brauchen sich nicht alles gefallen zu lassen. Die Arbeitsplatzbeschreibung müsste also mit aller Sorgfalt geschrieben werden. Wunderbar. Endlich würde die Arbeit von Staubwischen, Einkaufen, Kinder hüten wirklich als Arbeit gesehen werden und nicht als Freiwilligendienst.

Aber dann würde sich wahrscheinlich die Liebesbeziehung, die Ursprung des Zusammenlebens war, in ein Arbeitsverhältnis verwandeln. Keine gute Idee. So interessant ich das Urteil der chinesischen Richter finde, ich glaube, es muss anders laufen. Hausarbeit muss geteilt werden. Wenn beide fifty-fifty machen, muss nicht einer den anderen bezahlen. Dazu braucht es aber echte Gleichberechtigung in allen Bereichen. Da müssen wir echt mal ran und aufräumen – im 21. Jahrhundert.

Stand: 26.02.2021, 13:10