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Energiepreise

Kommentar: Das Energieentlastungspaket – Entlastung oder Verwirrung?

Stand: 25.03.2022, 13:10 Uhr

Jetzt also steht fest, wie der Staat uns in Sachen Energiepreise entlasten will. Unter anderem gibt es 300 Euro Rabatt für alle, die Einkommensteuer zahlen. Eine Einmalzahlung von 200 Euro für Empfänger von Sozialleistungen. Einen Rabatt auf Diesel und Benzin. Und drei Monate lang ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr für nur neun Euro. Jörg Brunsmann findet in seinem Kommentar: Die Bundesregierung macht ihren Job damit gar nicht so schlecht.

Von Jörg Brunsmann

Kommentar: Das Entlastungspaket ist besser als sein Ruf

WDR 4 Zur Sache 25.03.2022 01:55 Min. Verfügbar bis 25.03.2023 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Ich möchte die Bundesregierung hier mal loben. Das Entlastungspaket ist gar nicht so schlecht, auch wenn viele gerade darüber meckern. Ja, es gibt einige Punkte, da sollten die Politiker noch mal nachbessern. Zum Beispiel bei der Entlastung für Rentner. Es sieht aus, als seien sie mehr oder weniger vergessen worden. Und das sollte nicht sein. Die höheren Energiepreise zahlen schließlich wir alle – dann sollten auch alle entlastet werden.

Was mir an Entscheidungen der Politiker aber gefällt: Das meiste davon ist schnell und ohne viel Bürokratie umsetzbar. Es ist weitgehend sozial – und hat mit dem Monatsticket für den Nahverkehr für neun Euro sogar etwas Innovatives. Klar, wer jetzt ein reguläres Monatsabo oder ein Semesterticket zum viel höheren Preis hat, fühlt sich gekniffen. Aber sehen wir das doch mal als Chance. Viele werden sich darauf einlassen und Bus und Bahn drei Monate lang ausprobieren. Und der ein oder andere wird sagen: Dass es so auch geht, habe ich gar nicht gewusst – brauchen wir also wirklich noch unbedingt ein Auto? Womit wir dann auch in Sachen Klimawende ein kleines Stück voran gekommen wären.

Ja, ich kann verstehen, dass viele jetzt meckern. Aber das hat wohl weniger mit den konkreten politischen Entscheidungen zu tun, sondern vielmehr damit, dass wir eigentlich gerne unser altes Leben zurück hätten. Dass wir gerne zurückkehren würden in die Zeit vor dem Krieg, vor Corona und – das betrifft gerade bei uns in Nordrhein-Westfalen viele – in die Zeit vor der Flut. Aber es bringt nichts. Statt in den Rückspiegel müssen wir nach vorne schauen. Und das geht auch. Der Krieg in der Ukraine, die Bedrohung durch Russland macht uns vor allem psychisch zu schaffen. Objektiv betrachtet geht es uns nach wie vor gut. Deutschland ist ein wirtschaftlich starkes Land und wir haben die Kraft, die Krise zu meistern. Auch wenn wir selbst das in die Hand nehmen müssen. Die Politik kann ein bisschen dabei helfen, mehr aber auch nicht. Meckern und den Kopf in den Sand stecken bringt uns nicht weiter. Optimistisch bleiben und unsere Probleme gemeinsam anpacken schon.