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Kommentar: Energie wird zur moralischen Frage

Stand: 08.03.2022, 13:10 Uhr

Jetzt kommen wir noch problemlos durch. Aber was ist im nächsten Herbst und Winter? Sind dann genügend Öl- und Gasvorräte da, um unsere Wohnungen zu heizen und Auto zu fahren? Energie, das steht wohl fest, wird teurer und spielt im russischen Krieg gegen die Ukraine eine immer größere Rolle. Soll der Westen noch Öl und Gas aus Russland beziehen? Und wie steht’s eigentlich mit unseren ganz persönlichen Energievorräten in dieser krisenreichen Zeit?

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Energie wird zur moralischen Frage

WDR 4 Zur Sache 08.03.2022 01:41 Min. Verfügbar bis 08.03.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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"Nervösität an den Energiemärkten", schreibt die Zeitung, und ich merke, in mir drin ist’s ja nicht anders. Der Krieg zerrt an den Nerven, Corona hatte mich neulich im Klammergriff und kostete Kraft, Energie, und so ähnlich geht’s wohl vielen. Das Virus macht uns verdammt lange schon den Alltag schwer, und was in der Ukraine passiert, macht alles noch schwerer, plus der Angst vor einem Weltkrieg, die manchem in den Knochen steckt.

Und ja, Gas und Öl sind ebenfalls ein Problem. Der Krieg schickt seine Rechnung, Energie ist so teuer wie nie und macht fast alles teurer. Nicht nur das Heizen, Kochen, Waschen und Autofahren, auch die Lebensmittel, womit die Inflation immer weiter steigt.

Diese Schraube würde sich noch weiterdrehen, wenn der Westen macht, was der ukrainische Präsident Selenskyj fordert, nämlich ein sofortiges Öl- und Gasembargo, das Geschäft mit Russland stoppen. Mit den Einnahmen hält Putin seine Militärmaschine in Gang. Energie ist damit auch eine Frage der Moral, die freilich ganz unterschiedlich zu Buche schlägt.

Wer viel hat, kann leichten Herzens für ein Embargo sein. Ich bin ja auch dafür, die russische Aggression damit zu lähmen, sofern nicht die Geringverdiener darunter leiden. Kanzler Scholz will von einem Lieferstopp nichts wissen, noch nicht. Aber wenn es dazu kommt oder Russland seinerseits den Öl- und Gashahn zudreht, muss die Bundesregierung vor allem die Kleinverdiener, Mini-Rentner und Hartz-IV-Bezieher unterstützen. Damit nicht sie es sind, die für die schöne Moral maßlos zahlen.