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Kommentar: Ende der Kohle

Zwei Minenarbeiter verlassen die Zeche Prosper-Haniel

Kommentar: Ende der Kohle

Von Jörg Brunsmann

Jetzt also ist wirklich Schluss. Mit einem Festakt in Bottrop verabschiedet sich das Ruhrgebiet heute endgültig von der Steinkohle: Das letzte geförderte Stück wird an der Schachtanlage Prosper-Haniel an Bundespräsident Steinmeier übergeben. Damit geht eine lange Tradition zu Ende. Und eine lange Zeit des Wandels.

Kommentar: Ende der Kohle

WDR 4 Zur Sache | 21.12.2018 | 01:46 Min.

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"Wir sind Strukturwandel" – hat der Autor Frank Goosen, ein Kind des Ruhrgebiets, geschrieben. Und zwar schon vor Jahren. Das ist wahrscheinlich das Tragische für das Ruhrgebiet. Die ganzen Jahre, als man schon wusste, mit Stahl und Kohle im "Pott" geht es zu Ende, war das immer ein "Dazwischen". Das Alte noch nicht weg, das Neue aber auch noch nicht richtig da; Wandel eben.

Und jetzt?

Gibt es die Chance zu sagen: Wir SIND jetzt tatsächlich anders – und müssen es nicht erst noch werden. Natürlich, da bleibt jede Menge stehen aus der alten Zeit. Die Bergbautürme, die Abraumhalden – und eine Gegend, die so dicht besiedelt ist, dass man als Nicht-Ruhrgebietler gar nicht richtig merkt, wenn man von einer Stadt in die nächste kommt. Aber ist das jetzt eine Belastung, das Erbe aus einer dunklen Vergangenheit, mit der man nichts mehr zu tun haben will? Nein – ohne Kohle und Stahl würde es das Ruhrgebiet, so wie wir es heute kennen, gar nicht geben; die Gegend würde komplett anders aussehen.

Aber deshalb muss man sich dafür ja nicht schämen. Auch wenn die alte Zeit oft alles andere als gut war – es gibt doch vieles, an das man sich erinnern darf und es gibt Werte, die gerne weiterleben dürfen. Zum Beispiel, dass es im Ruhrgebiet oft sehr kumpelig zugeht; das ist schon ein anderer Umgang miteinander als zum Beispiel in Münster oder Köln. Die Menschen sind sich näher, in echt, aber eben auch gefühlt.

Das Ruhrgebiet war auch immer das, was man heute gerne als "Schmelztiegel" bezeichnet – Menschen aus ganz verschiedenen Ländern kamen hier zusammen. Und mussten irgendwie miteinander auskommen. Was meistens ganz gut funktioniert hat; auch ohne Integrationsministerium und dessen Hochglanzbroschüren. Jetzt, die endgültige Einstellung der Kohleförderung, das ist die Chance fürs Ruhrgebiet. Nicht mehr sagen zu müssen: "Wir sind Strukturwandel", sondern "Wir haben uns gewandelt. Und kommen gut damit klar."

Stand: 21.12.2018, 13:10