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Kommentar: Das Ende der Alltagsmasken

Alltagsmasken und medizinische Masken hängen an einer Tür

Kommentar: Das Ende der Alltagsmasken

Von Jörg Brunsmann

Jetzt also ist es beschlossene Sache: Ab Montag (25.1.) gilt in Nordrhein-Westfalen eine neue Corona-Schutzverordnung. Die sieht unter anderem vor, dass in Geschäften oder in Bussen und Bahnen nur noch medizinische Masken getragen werden dürfen. Also entweder diese OP-Masken oder die Masken mit dem FFP2-Standard. WDR 4-Autor Jörg Brunsmann findet das nachvollziehbar. Aber auch schade, dass jetzt etwas verschwindet, was uns über Monate begleitet hat: Die selbstgenähte Stoffmaske.

Kommentar: Das Ende der Alltagsmasken

WDR 4 Zur Sache 22.01.2021 01:56 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Ich will hier mal ein dickes Lob loswerden an all die engagierten Hobby-Näherinnen und -Näher. Ein Lob an alle, die uns in den letzten Monaten mit immer wieder neuen Stoffmasken versorgt haben. Masken, die häufig aus irgendwelchen Stoffresten entstanden. Masken, die ganz individuell daherkamen, die mit Namen bestickt wurden, von denen uns ein aufgemalter Mund entgegen lächelte oder die mit einem flotten Spruch für ein Lächeln hinter unserer eigenen Maske sorgten. All das ist jetzt vorbei. Die selbstgemachten Masken werden verschwinden, stattdessen laufen wir dank der einheitlichen Industrie-Masken noch ein gutes Stück uniformierter durch unseren Alltag.

Ich kann das verstehen, dass die Politik das so beschlossen hat. Hier geht es darum – falls man Träger des Corona-Virus sein sollte – möglichst wenig dieser Viren an andere weiterzugeben. Und da sind die hochtechnischen Filter einfach besser, als die Reste vom Mützenstoff aus dem letzten Jahr. Trotzdem macht das Ganze unseren Alltag noch ein bisschen grauer, als er im Moment sowieso schon ist.

Es war ja auch ein Stück Ablenkung und das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, wenn da so eifrig genäht, gemalt, gestickt und probiert wurde, welches Masken-Schnittmuster am besten funktioniert. Selbst der millionenfach verbreitete Spruch, man solle sich an die "AHA"-Regeln halten, funktioniert jetzt nicht mehr. Denn das zweite "A" steht für die Alltagsmaske, die wir jetzt oft eben nicht mehr tragen dürfen. Davon ab, dass wir bei kurzfristigen Lieferengpässen oder Preiserhöhungen für die neuen Masken jetzt nur noch mit den Achseln zucken oder fluchen können. Ab an die Nähmaschine und selbst Abhilfe schaffen, das ist vorbei.

Aber gut, wenn uns die neuen Masken besser und schneller durch die Corona-Pandemie bringen, dann will ich auch nichts gesagt haben. Und einen Vorteil haben diese blauen und grauen Einheitsmasken ja auch: Denen weint bestimmt keiner hinterher. Sobald es geht und wir dürfen, werden wir sie mit Schwung in den Müll befördern. Den Platz in der Erinnerungskiste bekommen die Stoffmasken – und den dürfen sie schon jetzt einnehmen.

Stand: 22.01.2021, 13:10